Nachrichten

„Unfassbar schamlos!“: britische ceos kassieren Rekordgehälter und zeigen Europas Führungskräften die kalte Schulter

Sabine Keller Von Sabine Keller
3 Min. Lesezeit
„Unfassbar schamlos!“: britische ceos kassieren Rekordgehälter und zeigen Europas Führungskräften die kalte Schulter
Illustration von der Gehaltsdiskrepanz zwischen britischen CEOs und durchschnittlichen Arbeitnehmern.
KURZ GESAGT
  • Die Gehälter der britischen CEOs erreichen mit durchschnittlich 4,58 Millionen Pfund neue Rekordhöhen.
  • Ein starkes Ungleichgewicht: Durchschnittliche Arbeitnehmer verdienen 122-mal weniger als FTSE 100-CEOs.
  • ‍ Fehlende Frauen in den Top-Positionen: Kein weiblicher CEO unter den Top-Verdienern der FTSE 100.
  • Die Diskussion um Vergütungsgerechtigkeit wird durch neue Transparenzregeln in Großbritannien intensiviert.

Die Diskussion über die Gehälter von Führungskräften großer Unternehmen ist ein wiederkehrendes Thema in der öffentlichen Debatte. Ein neuer Bericht zeigt, dass die Gehälter der CEOs in Großbritannien zuletzt Rekordhöhen erreicht haben. Die Diskrepanz zwischen den Bezügen der Führungskräfte und den durchschnittlichen Gehältern der Arbeitnehmer wird zunehmend kritisiert. Vor allem die Vergütung der CEOs der im FTSE 100 gelisteten Unternehmen wirft Fragen zur Verteilungsgerechtigkeit und zur Rolle von Boni und Anreizen auf. Die Debatte wird durch den Mangel an weiblichen Führungskräften in den höchsten Einkommensgruppen zusätzlich angeheizt.

Rekordgehälter der britischen CEOs

Nach Angaben des High Pay Centre haben die CEOs der im FTSE 100 gelisteten Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr im Durchschnitt 4,58 Millionen Pfund verdient. Diese Zahl umfasst Grundgehälter, Boni und Anreize. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg, der die höchste Vergütung seit der Offenlegungspflicht im Jahr 2013 darstellt. Besonders auffällig ist der Anstieg der durchschnittlichen Bonuszahlungen, die von 1,48 Millionen auf 1,61 Millionen Pfund gestiegen sind.

Dieser Trend wirft Fragen nach der Angemessenheit solcher Vergütungen auf, insbesondere im Hinblick auf die massive Diskrepanz zu den durchschnittlichen Gehältern der britischen Arbeitnehmer. Ein durchschnittlicher Vollzeitbeschäftigter verdiente im letzten Jahr 37.430 Pfund. Damit liegt das Verhältnis der Gehälter von FTSE 100-CEOs zu denen eines durchschnittlichen Arbeitnehmers bei 122:1.

Stellantis schockiert mit Rekordzahlen: ‚Die Gewinne explodieren, während die Arbeiter mit leeren Taschen dastehen‘ – Ein Skandal, der die Nation spaltet

Die bestbezahlten Führungskräfte

Einige Unternehmen stechen besonders hervor, wenn es um die Gehälter ihrer Führungskräfte geht. An der Spitze der Liste stehen die CEOs von Melrose Industries, Pearson, AstraZeneca und Coca-Cola Europacific Partners. Simon Peckham und Peter Dilnot von Melrose Industries erhielten zusammen eine Vergütung von 58,9 Millionen Pfund. Diese außergewöhnlich hohen Gehälter sind auf umfangreiche Bonusprogramme und leistungsabhängige Anreize zurückzuführen.

Eine Tabelle verdeutlicht die Gehaltsverteilung unter den Top-CEOs im Vereinigten Königreich:

Trumps Zoll-Deadline am 1. August: „Das ultimative Chaos“ für Deutschlands Wirtschaft oder ein seltener Gewinner für die wenigen Glücklichen

Unternehmen Branche CEO Gehalt 2024-25 (Mio. £)
Melrose Industries Luftfahrt Simon Peckham/Peter Dilnot* 58,9
Pearson Bildung Andy Bird/Omar Abbish* 18,9
AstraZeneca Pharma Pascal Soriot 14,7
Coca-Cola Europacific Partners Konsumgüter Damian Gammell 13,9

*Jahresrate berechnet aus zwei Zahlen, bei denen die Rolle wechselte, einschließlich einmaliger Zahlungen

Fehlende weibliche Führungskräfte

Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion um CEO-Gehälter häufig übersehen wird, ist der Mangel an Frauen in den höchsten Einkommensgruppen. Kein weiblicher CEO hat es in die Top 10 der bestbezahlten Führungskräfte der FTSE 100 geschafft. Insgesamt gibt es nur neun weibliche CEOs in der gesamten Indexliste. Ihr medianes Gehalt liegt bei 3,27 Millionen Pfund, was deutlich unter dem der männlichen Kollegen liegt.

Porsche und Mercedes-Benz schlagen Alarm: „Der deutsche Autofahrer wird der Leidtragende von Milliardenkosten sein – das ist ein Skandal“

Denise Coates, die Geschäftsführerin von Bet365, ist eine der wenigen weiblichen Führungskräfte, die in der Diskussion hervorsticht. Ihr Gehalt betrug im vergangenen Jahr 94,66 Millionen Pfund und ist damit das höchste unter den weiblichen Führungskräften, aber sie ist eine Ausnahme in einem von Männern dominierten Feld.

Auswirkungen und gesellschaftliche Debatte

Die immer größer werdende Kluft zwischen den Gehältern von Führungskräften und einfachen Arbeitnehmern wirft Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und der Rolle von Unternehmensführungen auf. Seit 2019 sind börsennotierte Unternehmen in Großbritannien verpflichtet, das Verhältnis zwischen den Gehältern ihrer CEOs und dem Durchschnittsgehalt ihrer Mitarbeiter offenzulegen. Diese Transparenzregelung hat die Diskussion über die Angemessenheit von Führungskräftevergütungen verstärkt.

Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und steigender Lebenshaltungskosten wird die Frage, ob diese hohen Gehälter gerechtfertigt sind, immer drängender. Die Diskussion um die Gehälter von Führungskräften ist nicht nur eine Frage des Neides, sondern auch eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Die Gehälter von Führungskräften in Großbritannien sind ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Wie kann eine ausgewogene Verteilung von Ressourcen erreicht werden, ohne die Anreize für Spitzenleistungen zu mindern?

Dieser Artikel basiert auf verifizierten Quellen und wird durch redaktionelle Technologien unterstützt.