China wächst 4,5 Prozent, leicht über den Erwartungen der Volkswirte
Schwacher Konsum und die Immobilienkrise dämpfen das Bild: Beim Wachstum Chinas liegt der Export weit vor allen anderen Bereichen der Wirtschaft.
Kurz gesagt
- Das Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal um 4,5 Prozent zu, erwartet worden waren 4,4 Prozent.
- Die Exporte stiegen in neun Monaten um 21,3 Prozent, der Handelsüberschuss erreichte rund 938 Milliarden US-Dollar.
- Anlageinvestitionen und Immobilienentwicklung schrumpfen deutlich, der Konsum bleibt schwach.
Laut dem Statistikamt in Peking legte die chinesische Volkswirtschaft im Sommerquartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent zu und lag damit leicht über den Prognosen. Den Aufschwung tragen vor allem die Ausfuhren, wohingegen der Verbrauch im Land und der Immobiliensektor an Schwung verlieren.
Die Zahlen im Quartalsvergleich
Volkswirte hatten in einer Umfrage von Reuters im Schnitt mit 4,4 Prozent gerechnet, wie orf.at berichtet. Zum Vorquartal wuchs die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent. Laut ORF war das zweite Quartal mit 4,3 Prozent der langsamste Zuwachs seit über drei Jahren.
| Zeitraum | BIP-Wachstum zum Vorjahr |
|---|---|
| Erstes Quartal | 5,0 Prozent |
| Zweites Quartal | 4,3 Prozent |
| Drittes Quartal | 4,5 Prozent |
| Januar bis September | 4,6 Prozent |
Die Regierung peilt für das gesamte Jahr ein Wachstum von 4,5 bis 5 Prozent an, und China liegt bisher innerhalb dieses Korridors. Mao Shengyong, der Sprecher des Statistikamts, gab sich optimistisch, dass die Vorgabe erreicht wird. Dass sich das Tempo im zweiten Quartal verlangsamte, führte er auf die Ölpreisentwicklung zurück, die mit der Situation im Nahen Osten zusammenhängt. Im letzten Vierteljahr rechnet er mit einer Besserung.
Der Export als Motor
Das Auslandsgeschäft boomt. Laut 20min.ch treibt vor allem die weltweite Nachfrage nach Technologieprodukten wie Halbleitern und Elektronik für künstliche Intelligenz die Ausfuhren an.

Der hohe Überschuss führt zunehmend zu Reibereien mit den Handelspartnern. Besonders in Europa befürchtet man, dass billige Waren aus China die einheimischen Produzenten bedrängen. Laut ORF steht die Ausfuhr zudem wegen der Handelsstreitigkeiten mit der Europäischen Union unter Druck, und das Statistikamt mahnte, die Nachfrage sei schwach und das internationale Umfeld komplex.
Wo es im Inland hakt
- Industrie: Die Produktion stieg im September um 5,5 Prozent zum Vorjahr, nach 5,2 Prozent im August.
- Einzelhandel: Die Umsätze legten im September um 1,1 Prozent zu, nach 0,4 Prozent im August. Ohne Autokäufe waren es laut cash.ch 3,9 Prozent.
- Anlageinvestitionen: Sie gingen von Januar bis September um 7,2 Prozent zurück.
- Immobilienentwicklung: In derselben Periode sanken die Investitionen um 20,6 Prozent.
Die Krise am Immobilienmarkt schlägt gleich auf mehreren Wegen auf die Wirtschaft durch: Sinkende Wohnungspreise verunsichern die Eigentümer, die daraufhin weniger ausgeben. Die Bauträger beginnen weniger Vorhaben und erteilen weniger Aufträge. Zahlreichen Städten mangelt es außerdem an Mitteln, da die Erlöse aus Grundstücksverkäufen stark zurückgegangen sind. Seit Oktober werden neue Darlehen für den Erwerb der ersten Wohnung unter bestimmten Bedingungen vom Staat mit Zinszuschüssen gefördert.
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, wertet vor allem die Einzelhandelsumsätze als positive Überraschung: „Das chinesische Wachstum bleibt auf Kurs“. Dringende Stimulierungsmaßnahmen hält er derzeit nicht für nötig. Commerzbank-Analyst Volkmar Baur sagte laut cash.ch, die Zahlen zeigten, dass die Regierung zufrieden sei und vermutlich keinen Anlass für weitere größere Stimulusmaßnahmen sehe.
Prognose des IWF
Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognosen zuletzt leicht nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr erwartet er ein Wachstum von 4,5 Prozent, für 2027 von 4,0 Prozent. Die schwache Binnennachfrage und ihre Konsequenzen sieht der Fonds mit Sorge und verlangt mehr Hilfe für den Konsum, weil es für China langfristig heikler werden dürfte, wirtschaftliche Schwierigkeiten durch stetig steigende Ausfuhren aufzufangen.
Foto: Mike van Schoonderwalt / Pexels



