Börse

Telekom-Aktie fällt 8,6 Prozent nach SpaceX-Deal in den USA

T-Mobile US verlor über 13 Prozent und zog die Telekom mit. Analysten sehen echte Konkurrenz durch Starlink Mobile erst in einigen Jahren.

Jens Albrecht Von Jens Albrecht
4 Min. Lesezeit
Telekom-Aktie fällt 8,6 Prozent nach SpaceX-Deal in den USA
Eine Satellitenschüssel auf der Kante einer alten, rissigen Mauer, aufgenommen vor grauem Himmel.

Die Aktie der Deutschen Telekom hat am Freitag zum Wochenschluss 8,6 Prozent verloren und schloss bei 24,70 Euro. Auslöser war die Nachricht, dass SpaceX den Kauf eines landesweiten 800-MHz-Frequenzportfolios von Grain Management in den USA vereinbart hat, wie trading-treff.de berichtet.

Kurz gesagt

  • Auslöser war die Nachricht, dass SpaceX den Kauf eines landesweiten 800-MHz-Frequenzportfolios von Grain Management in den USA vereinbart hat, wie trading-treff.de berichtet.
  • Der Start von Starlink Mobile ist erst für Ende 2027 vorgesehen.
  • Ob und mit welchen Auflagen die FCC dem Frequenzkauf zustimmt, bleibt bis dahin offen.

Ein Frequenzgeschäft in den USA trifft den Bonner Konzern

Laut Medienberichten zahlt SpaceX für die Frequenzen rund 8 Milliarden US-Dollar in bar. Abgeschlossen ist das Geschäft noch nicht: Die US-Aufsichtsbehörde FCC muss zustimmen. Die Vereinbarung fiel auf den Donnerstag, wie boerse-global.de schreibt.

Dass die Nachricht in Bonn so stark durchschlägt, liegt an der Beteiligungsstruktur. Die Telekom hält rund 54 Prozent an T-Mobile US, deren Aktie an der Wall Street am Freitag um mehr als 13 Prozent nachgab. Auch andere große US-Netzbetreiber gerieten unter Druck. Laut boerse-online.de verloren AT&T nachbörslich 6,6 Prozent und Verizon 5,7 Prozent, während SpaceX-Aktien am Freitagmorgen auf Tradegate um gut 3 Prozent zulegten.

Pikant ist die Lage, weil beide Seiten bislang Partner sind. Mit dem Dienst T-Satellite verbindet T-Mobile US gewöhnliche Smartphones auch dort, wo keine Mobilfunkmasten stehen, direkt mit Starlink-Satelliten.

Wie der US-Ableger die Mutter mitzieht

Nach Berechnung von sharedeals.de sank der Börsenwert von T-Mobile US binnen eines Tages deutlich. Der auf die Telekom entfallende Anteil erkläre den Kursverlust des Konzerns demnach beinahe vollständig.

184 Mrd. US-DollarBewertung von T-Mobile US am Vortag
159 Mrd. US-DollarBewertung nach dem Einbruch
gut 11 Mrd. EuroTelekom-Anteil am Wertverlust

Der Markt habe also nicht wahllos verkauft, sondern den gesunkenen Wert der US-Tochter weitgehend an die Mutter weitergereicht. Es handelt sich um die Rechnung dieses Portals, nicht um eine Angabe des Konzerns.

Écran de trading noir montrant des chandeliers rouges et verts en baisse, des courbes de tendance et un histogramme de volumes.
Graphique en chandeliers sur un écran: les bougies rouges dominent et la courbe de cours s’oriente à la baisse. Quelle: Pexels. Urheber: Rafael Minguet Delgado. Lizenz: Pexels License.

Wie schnell Starlink Mobile tatsächlich konkurrieren kann

Der Start von Starlink Mobile ist erst für Ende 2027 vorgesehen. Laut sharedeals.de rechnet ODDO BHF mit mehreren Jahren Aufbauzeit für ein wettbewerbsfähiges Angebot, Citi erwartet vor 2029 keinen wesentlichen Einfluss auf die etablierten Anbieter.

Hinzu kommen hohe Kosten. Das Analysehaus TD Cowen schätzt laut trading-treff.de, dass ein vollständiges Netz am Boden Jahre dauern und Investitionen von mehr als 80 Milliarden US-Dollar erfordern würde. SpaceX fehlen außerdem bislang Bodeninfrastruktur, Vertrieb und Kundenservice, möglicherweise auch ein Roaming-Abkommen. T-Mobile verweist darauf, dass mehr als 70 Prozent der mobilen Daten in Gebäuden anfallen, wo terrestrische Netze im Vorteil bleiben.

Andererseits besitzt SpaceX bereits eine wichtige Genehmigung: Die FCC hat rund 15.000 Satelliten der zweiten Starlink-Generation im 2-GHz-Band zugelassen.

Fundamentaldaten und Chartbild im Vergleich

Operativ lieferte T-Mobile US im zweiten Quartal kräftiges Wachstum, und die Telekom hob ihre Prognose für den bereinigten freien Cashflow auf rund 20 Milliarden Euro an. Charttechnisch ist die Lage dagegen angespannt.

  • Serviceerlöse von T-Mobile US: plus 8,9 Prozent auf 19 Mrd. US-Dollar
  • Bereinigtes EBITDA AL: plus 12,1 Prozent auf 9,3 Mrd. US-Dollar; 34,7 Mio. Postpaid-Kundenkonten Ende Juni
  • Aktienrückkaufprogramm von T-Mobile US über bis zu 18,2 Mrd. US-Dollar
  • Laut sharedeals.de rund das 12-Fache des für 2026 erwarteten Gewinns, erwartete Dividendenrendite etwa 4,6 Prozent
  • Laut boerse-online.de fiel die Aktie vorbörslich bis zur Unterstützung bei 25,55 Euro; bei einem neuen Jahrestief nennt das Portal 23,50 Euro als Ziel
  • Abstand zum 52-Wochen-Tief nur noch 4,9 Prozent
  • Die meisten Analystenziele stammen aus der Zeit vor dem SpaceX-Geschäft

Das durchschnittliche Kursziel von 17 Analysten liegt laut sharedeals.de bei 36,43 Euro, die Spanne reicht von 28,10 bis 43 Euro. Weil die meisten Ziele vor dem Deal entstanden, könnten sie überprüft werden. Laut boerse-global.de bestätigte UBS am 7. Oktober die Einstufung Buy mit einem Ziel von 35,10 Euro, Goldman Sachs senkte am 5. Oktober das Ziel von 40 auf 38 Euro bei unverändertem Buy.

Signale aus dem Management und der nächste Termin

Auf dem KI-Investorentag am 5. Oktober bekräftigte die Konzernführung Ziele und Prognose. Der Technologieeinsatz soll rund 2,5 Milliarden Euro bei den indirekten Kosten einsparen, außerhalb der USA strebt die Telekom rund 800 Millionen Euro an technologiebezogenen Umsätzen an.

Neue Geschäftszahlen gibt es Anfang November, wenn die Deutsche Telekom ihren Bericht zum dritten Quartal veröffentlicht. Ob und mit welchen Auflagen die FCC dem Frequenzkauf zustimmt, bleibt bis dahin offen.

Titelbild. Quelle: Pexels. Urheber: Yiğit KARAALİOĞLU. Lizenz: Pexels License.

Jens Albrecht

Markt, Anlage, Vorsorge

Jens Albrecht

Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann war Jens Albrecht lange im Wertpapierhandel einer Regionalbank in Hannover tätig. Er berichtet über Börse, Aktien und Marktbewegungen und erklärt, was hinter den Kursen steckt. Er spielt seit seiner Jugend Schach im Verein.