Warum Brent seit neun Monaten um mehr als 85 Prozent gestiegen ist
Brent notiert nahe 112 bis 115 Dollar, und Anleger fragen sich, wie Zinsen, Quartalszahlen und Zweifel an der KI die Märkte in den kommenden Wochen bewegen.
Kurz gesagt
- Der Dax schloss am Freitag 0,8 Prozent tiefer, der Dow Jones verlor ein Prozent.
- Angriffe der Huthi auf saudische Anlagen treiben Brent auf den höchsten Stand seit Mai.
- Volvo Cars und Kering brachen nach Quartalszahlen ein, Lockheed Martin legte zu.
- In der kommenden Woche stehen die Zinsentscheidungen von Fed und EZB an.
Neue Angriffe auf saudische Ölanlagen haben die Börsen zum Wochenschluss belastet: Nach Angaben von XTB notierte Brent nahe 112 US-Dollar je Barrel, WTI lag über 100 US-Dollar. Der teure Rohstoff nährt Inflations- und Zinssorgen, die Aktien und Anleihen gleichermaßen unter Druck setzen.
Was am Ölmarkt passiert ist
Vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen feuerten laut XTB Raketen und Drohnen auf Ziele in Saudi-Arabien ab. Getroffen wurden Hafenanlagen in Yanbu, Förderanlagen und ein Flughafen. Saudi Aramco evakuierte seine Zentrale in Dhahran und ordnete Fernarbeit an. Die Huthi selbst erklärten, sie hätten das Verteidigungsministerium in Riad sowie die Flughäfen Dammam und Abha angegriffen, berichtet das Manager Magazin. Saudi-Arabien steht demnach seit Wochen nahezu täglich unter Beschuss.
Die Preisangaben der Quellen unterscheiden sich leicht: Das Manager Magazin nannte am Morgen rund 115 Dollar für Brent. Damit nähert sich der Preis dem Jahreshoch von 120 Dollar, und die Notierungen steuern auf den dritten Wochengewinn in Folge zu.
Zur Lage in der Straße von Hormus zeichnen die Quellen unterschiedliche Bilder: XTB verweist auf gedrosselte Tankerströme, das Manager Magazin spricht von Rohölexporten, die sich nahezu auf Vorkriegsniveau erholt hätten. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran nähert sich nach dessen Angaben dem neunten Monat.
Die Indizes im Überblick
| Index | Stand | Veränderung |
|---|---|---|
| Dax (Xetra-Schluss) | 25.181 Punkte | -0,8 % (Woche: -1,7 %) |
| Dow Jones | 52.329 Punkte | -1,0 % |
| S&P 500 | 7630 Punkte | -0,4 % |
| Nasdaq 100 | 28.954 Punkte | kaum verändert |
Der Nasdaq 100 hatte am Vortag fast 3 Prozent verloren. Anleger fragen sich laut Manager Magazin, ob sich die Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz bald auszahlen; Metas Pläne für höhere KI-Ausgaben kamen an der Nasdaq nicht gut an.
Gewinner und Verlierer unter den Einzelwerten
- Volvo Cars: Nach einem Quartalsverlust brach die Aktie ein, laut XTB um 25 Prozent, laut Manager Magazin um mehr als 26 Prozent. XTB nennt hohe US-Zölle und den Preiskampf mit China, dazu ein Sparprogramm über 5 Milliarden SEK und 2.500 gestrichene Stellen.
- Kering: Wegen der Lage bei Gucci verlor der Konzern laut XTB 16,0 Prozent, laut Manager Magazin 11,7 Prozent. Richemont gab nach XTB-Angaben 5,0 Prozent ab.
- Deutsche Telekom: Minus 3 Prozent wegen neuer Sorgen vor US-Konkurrenz durch SpaceX. Dazu passt der Bericht, SpaceX verhandle Kreisen zufolge über mindestens 80.000 Mobilfunkmasten, unter anderem mit Crown Castle. Funkmastbetreiber legten zu, AT&T, Verizon und T-Mobile US verloren bis zu 5 Prozent. Zur Aktie der Telekom nach dem Frequenzgeschäft gibt es einen Beitrag zur Telekom-Aktie.
- MTU und Adidas: MTU fiel um 5 Prozent nach durchwachsenen Zahlen des Konkurrenten Safran, Adidas um 2 Prozent, nachdem Deckers Outdoor seinen Ausblick gesenkt hatte.
- Lockheed Martin: Plus 7,8 Prozent nach der Anhebung der Jahresprognose für den Gewinn je Aktie auf 30,35 bis 30,75 US-Dollar.
- Heidelberg Materials und Beiersdorf: Beide stiegen nach überzeugenden Berichten der Konkurrenten Holcim und L’Oréal.
Was als Nächstes zählt
In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf die Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank. Zugleich beginnt die Berichtssaison mit Quartalszahlen mehrerer Dax-Konzerne. Die Ölpreise sorgten zuletzt für zusätzlichen Inflationsdruck, während die gestiegenen Zinsen bei der Bewertung der KI-Investitionen eine wichtige Rolle spielen, so das Manager Magazin.
Auch die Konjunkturdaten sind gemischt: Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone sank auf 51,9 Punkte, der französische Gesamtindikator fiel auf 48,4 Punkte. Gold rutschte laut XTB auf Wochensicht um rund 4 Prozent unter 4.000 US-Dollar, die Zehnjahresrendite in den USA lag bei 4,99 Prozent.
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