Trump kündigt russischen Diesel für die USA an, doch die erste Tranche deckt nur gut 14 Stunden Verbrauch
Washington erlaubt Importe bis April 2027, Moskau hebt sein Exportverbot auf. Gemessen am US-Verbrauch ist die erste Menge klein, und spätere Lieferungen hängen vom Zustand der Raffinerien ab.
US-Präsident Donald Trump hat nach einem Telefonat mit Wladimir Putin eine Vereinbarung über russische Diesellieferungen verkündet und dafür Sanktionen vorübergehend ausgesetzt.
Kurz gesagt
- Wie der Deutschlandfunk meldet, hat sich Trump nach eigener Darstellung mit dem Kremlchef auf umfangreiche Lieferungen verständigt.
- Die angekündigten 300.000 Tonnen würden den US-Verbrauch damit rechnerisch für gut 14 Stunden decken.
- Das ist seine Einschätzung, keine belegte Tatsache.
Was Washington und Moskau vereinbart haben
Wie der Deutschlandfunk meldet, hat sich Trump nach eigener Darstellung mit dem Kremlchef auf umfangreiche Lieferungen verständigt. Die erste Tranche machte Trump nach Angaben der dpa, die unter anderem die Rheinpfalz veröffentlicht hat, selbst auf seiner Plattform Truth Social öffentlich: Mehr als 300.000 Tonnen Diesel sollen demnach „umgehend“ bereitstehen, und zwar nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für den Weltmarkt.
Laut dem dpa-Bericht bestätigte der Kreml die Absprache. Putin ließ schriftlich erklären, sein Land sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen Markt wie auf die Weltmärkte zu liefern. Davon profitiere aus seiner Sicht die Weltwirtschaft insgesamt.
Damit die Ware rechtlich fließen kann, griff das US-Finanzministerium ein. Es erteilte eine befristete Ausnahme von den geltenden Sanktionen, die Verkauf, Lieferung, Entladen und Einfuhr russischen Diesels bis zum 7. April 2027 erlaubt. Auf russischer Seite stand dem zunächst eine eigene Hürde entgegen: Laut demselben dpa-Bericht, den auch die Süddeutsche Zeitung übernommen hat, galt ein Ausfuhrverbot für Diesel noch bis Monatsende.
Zwei Fahrpläne, ein Vorbehalt
Vizeregierungschef Alexander Nowak kündigte nach Angaben der Staatsagentur Tass an, dieses Exportverbot werde sofort aufgehoben. Seine Mengen entsprechen weitgehend den Angaben aus Washington, die Zeitangaben und Bedingungen unterscheiden sich jedoch, wie die Gegenüberstellung zeigt.
| Zeitraum | Angabe Trump | Angabe Nowak |
|---|---|---|
| Erste Tranche | „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen | 300.000 Tonnen im Oktober in Aussicht gestellt |
| Weitere Mengen | im Laufe des Novembers 500.000 Tonnen, danach „sofort“ eine Million Tonnen | weitere 500.000 und 1.000.000 Tonnen könnten im November und Dezember folgen |
| Zusätzlich | 3 Millionen Tonnen je nach Raffineriezustand, ohne Zeitangabe | im dpa-Bericht nicht erwähnt |
Entscheidend ist Nowaks Einschränkung: Die Mengen für November und Dezember hängen nach seinen Worten davon ab, ob Raffinerien, die durch ukrainische Drohnen beschädigt wurden, rechtzeitig repariert werden. Auch Trump verknüpfte die zusätzlichen drei Millionen Tonnen ausdrücklich mit dem Zustand der russischen Anlagen. Ob Russland die Mengen tatsächlich liefern kann, ist damit offen.
Wie groß die Mengen tatsächlich sind
Ein Blick auf die Produktionsseite relativiert die Ankündigung. Russland stellte im vergangenen Jahr monatlich etwa sieben Millionen Tonnen Diesel her, seither ist die Kapazität jedoch ungefähr auf die Hälfte geschrumpft. Hintergrund sind die ukrainischen Angriffe, die sich in den vergangenen Monaten verstärkt gegen die Ölindustrie richteten und deren Folgen im Land deutlich zu spüren sind.

Die Vergleichsrechnung stützt sich auf die US-Energiebehörde EIA: Der amerikanische Verbrauch an Diesel und anderen Destillaten liegt bei durchschnittlich rund 3,77 Millionen Barrel täglich, umgerechnet etwa 500.000 Tonnen. Die angekündigten 300.000 Tonnen würden den US-Verbrauch damit rechnerisch für gut 14 Stunden decken. Ob die Lieferungen die amerikanischen Spritpreise senken, ist nicht belegt.
Spritpreise und eine Kehrtwende bei den Sanktionen
Innenpolitisch kommt das Thema zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Zwischenwahlen liegen weniger als einen Monat entfernt, und die gestiegenen Spritpreise setzen Trump unter Druck. Zuletzt machten auch Republikaner mit ungewöhnlicher Deutlichkeit den Iran-Krieg für das hohe Preisniveau verantwortlich.
Trump hatte die Ursache der Dieselknappheit zuvor bei der Ukraine gesucht. Mitte September sagte er in Irland über Präsident Selenskyj: „Er muss aufhören, die Dieselversorgung in Russland lahmzulegen.“ Zur Knappheit erklärte er, dafür sei nicht der Nahe Osten verantwortlich, sondern das, was in Russland und der Ukraine geschehe.
Brisant ist die Vereinbarung auch wegen eines Gesetzes, das Trump erst im September unterzeichnet hatte. Es verschafft ihm weitreichende Befugnisse für neue Russland-Sanktionen und sollte unter anderem die russischen Öl- und Gasausfuhren stärker eindämmen. Der Diesel-Deal läuft dieser Zielrichtung zuwider. Gregory Meeks, ranghöchster Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, benannte den Widerspruch so: Nur wenige Wochen nachdem Trump ein Gesetz mit Sanktionen gegen Abnehmer russischer Energie unterzeichnet habe, kündige er an, die Vereinigten Staaten würden genau diese Energie kaufen.
Kiew fühlt sich übergangen
Am schärfsten fiel die Reaktion aus der Ukraine aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, auf Telegram eine Investition in den Krieg, den man beenden und nicht verlängern müsse. Moskau werde mit weiterem „Terror und Gemeinheiten“ danken. Gegenüber dem Portal Axios bezeichnete er die Vereinbarung als „nicht fair und nicht ehrlich“.
Besonders verärgert zeigte er sich über den Ablauf: Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner verhandelten zur selben Zeit in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Kriegsende, ohne dass vom Diesel-Abkommen die Rede war. Das geht aus dem dpa-Bericht hervor.
Zugleich erneuerte Selenskyj ein Angebot: Die Ukraine würde ihre Angriffe auf russische Raffinerien einstellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen beendet. Eine Lockerung der Sanktionen wertete er als Zeichen „offensichtlicher Schwäche“ und meinte, Russland werde die USA noch weniger ernst nehmen. Das ist seine Einschätzung, keine belegte Tatsache.
Titelbild. Quelle: Pexels. Urheber: abdo alshreef. Lizenz: Pexels License.
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