Bahn verschiebt acht Streckensanierungen über 2031 hinaus
Bis 2031 werden nur 13 statt 21 Korridore grundlegend erneuert. Acht Strecken, darunter Stuttgart-Ulm und Frankfurt-Heidelberg, rutschen nach hinten, ein Abschlussjahr für das gesamte Programm gibt es nicht mehr.
Kurz gesagt
- Das teilten die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium mit, wie aus einer dpa-Meldung vom 9.
- Vorgesehen waren bis zu acht Sanierungen pro Jahr.
- Eine erneuerte Strecke soll demnach „möglichst bis zu zehn Jahre“ von größeren baubedingten Einschränkungen weitgehend verschont bleiben.
Nur noch 13 statt der zuvor geplanten 21 stark befahrenen Bahnkorridore werden bis 2031 grundlegend erneuert. Das teilten die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium mit, wie aus einer dpa-Meldung vom 9. Oktober 2026 hervorgeht, die unter anderem in der Meldung der Süddeutschen Zeitung nachzulesen ist. Kein Projekt wird demnach gestrichen, die übrigen Korridorsanierungen rücken lediglich nach hinten. Welche davon ab 2032 zuerst drankommen, soll nach Angaben der beiden Stellen im Jahr 2027 festgelegt werden.
Ein Programm ohne Zieljahr
Bis 2036 sollten sämtliche Generalsanierungen abgeschlossen sein, so lautete zuletzt der Plan. Diese Marke hat Bahnchefin Evelyn Palla bereits aufgegeben: Im Juli 2026 kündigte sie an, das Konzept grundlegend auf den Prüfstand zu stellen, und einige Wochen später nahm sie den bis 2036 reichenden Zeitplan zurück. Dazu hieß es, die Arbeiten würden erheblich länger dauern. Die Liste vom 9. Oktober 2026 legt nun fest, was bis 2031 noch geschieht. Für den Rest gibt es kein Datum.
Diese Strecken sind bis 2031 eingeplant
Wer regelmäßig auf einer der folgenden Verbindungen unterwegs ist, muss im jeweiligen Jahr mit einer Generalsanierung rechnen. München-Rosenheim steht zweimal in der Liste, weil die Strecke in zwei Etappen erneuert wird.
| Jahr | Strecken |
|---|---|
| 2027 | Fulda-Hanau, Lehrte-Berlin (die Sanierung läuft bereits), Rosenheim-Salzburg |
| 2028 | Hagen-Unna-Hamm, Köln-Koblenz, Lübeck-Hamburg, München-Rosenheim (erste Etappe) |
| 2029 | Aachen-Köln, Hamburg-Hannover, Würzburg-Ansbach-Treuchtlingen |
| 2030 | Uelzen-Stendal, Stendal-Magdeburg |
| 2031 | München-Rosenheim (zweite Etappe), Lehrte-Groß Gleidingen |
Was nach hinten rutscht
Acht Korridore werden erst nach 2031 angegangen, einen Termin gibt es dafür noch nicht. Zu jeder Strecke steht hier das Bauzeitfenster, das ursprünglich vorgesehen war:
- Bremen-Bremerhaven: vom 9. Juli bis zum 11. Dezember 2027
- Koblenz-Mainz: vom 4. Februar bis zum 7. Juli 2028
- Forbach (Moselle)-Ludwigshafen: vom 22. Juni bis zum 8. Dezember 2029
- Stuttgart-Ulm: vom 11. Januar bis zum 28. Juni 2030
- Frankfurt-Heidelberg: vom 28. Juni bis zum 14. Dezember 2030
- Mannheim-Karlsruhe: vom 10. Januar bis zum 27. Juni 2031
- Bremen-Hamburg und Würzburg-Nürnberg: beide ursprünglich vom 27. Juni bis zum 13. Dezember 2031
Die für diese Zeiträume geplanten monatelangen Sperrungen finden damit zunächst nicht statt. Baustellenfrei bleiben die Abschnitte trotzdem nicht: Dringend nötige Arbeiten sollen dort ungeachtet der Verschiebung erledigt werden.
Warum der ursprüngliche Plan nicht hielt
Das Konzept der Generalsanierung stammt aus der Amtszeit des früheren Verkehrsministers Volker Wissing und des damaligen Bahnchefs Richard Lutz. Vorgestellt wurde es im Februar 2023. Die Idee: Rund 40 viel befahrene Strecken sollten über Monate gesperrt und von Grund auf erneuert werden, danach sollten sie rund ein Jahrzehnt lang ohne Baustellen laufen und deutlich seltener Störungen verursachen. Vorgesehen waren bis zu acht Sanierungen pro Jahr. Nach deutlicher Kritik, vor allem der Wettbewerber im Güterverkehr, passte die neue Bundesregierung das Konzept 2025 erstmals grundlegend an: Pro Jahr sollten nur noch vier bis fünf Sanierungen stattfinden, und das gesamte Programm wurde bis 2036 gestreckt.

Den Auftakt der rund 40 geplanten Sanierungen machte 2024 die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Nach einer Bauzeit von sechs Monaten ging die Strecke im Dezember 2024 wieder in Betrieb. Schon beim zweiten großen Projekt kam laut dpa die Ernüchterung: Auf Hamburg-Berlin konnten im Januar und Februar 2026 wegen der Kälte keine Kabelarbeiten im festgefrorenen Boden stattfinden, die Wiedereröffnung verzögerte sich um rund sechs Wochen. Anschließend häuften sich erhebliche Verspätungen und Zugausfälle, weitere nächtliche Sperrungen und Umleitungen sollten Restmängel beseitigen. Auch für Nürnberg-Regensburg kündigte die Bahn eine verspätete Wiedereröffnung an.
Die Pünktlichkeit im Gesamtnetz hat sich durch die bisherigen Sanierungen nicht verbessert. Unter 60 Prozent der Fernzüge erreichten im ersten Halbjahr 2026 ihr Ziel pünktlich.
„Auch ich bin verärgert“
Evelyn Palla, Bahnchefin, bei der Ankündigung im Juli 2026, laut dpa-Meldung in der Süddeutschen Zeitung
Palla sagte damals, sie sei verärgert darüber, dass das Vorhaben nicht geklappt habe. Es sei der Anspruch der Bahn, Fristen und Kosten der Korridorsanierungen jederzeit in vollem Umfang einzuhalten.
Was sich für Fahrgäste und Güterverkehr ändern soll
Laut dem Bericht der Wirtschaftswoche soll die Infrastrukturtochter InfraGo die Umleiterstrecken intensiver vorbereiten und die Bauabläufe mit weiteren Baustellen im Schienennetz abstimmen. Vor allem Wettbewerber im Güterverkehr hatten bemängelt, die Umleitungen seien schlecht vorbereitet und zu wenig kommuniziert worden.
Ebenfalls vorgesehen ist ein anderer Neustart nach Bauende: Der Zugverkehr soll stufenweise wieder hochgefahren werden, statt an einem festen Datum für alle Verkehre. Nach den bisher abgeschlossenen Generalsanierungen hatten verspätete Züge wiederholt Probleme bereitet.
Zudem wird das digitale Zugleitsystem ETCS künftig bei jeder Sanierung mitgedacht: Alle erneuerten Stellwerke sollen ETCS-fähig werden, dazu kommen angepasste Signalstandorte und moderne Achszähltechnik. Auf vielen Strecken war das bis dahin nur für einzelne Abschnitte geplant. Die Vorgabe greift allerdings erst später, an den für 2027 geplanten Baustarts ändert sich nichts.
Weicher formuliert ist das Versprechen für die Zeit nach einer Sanierung, das neue Konzept bleibt dazu vage. Eine erneuerte Strecke soll demnach „möglichst bis zu zehn Jahre“ von größeren baubedingten Einschränkungen weitgehend verschont bleiben.
Foto: KVNSBL / Pixabay
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