Hohe Kreditzinsen drücken die Kaufpreise, die Mieten steigen weiter
Eine IW-Studie wertet Inserate der Value-Marktdatenbank aus und zeigt, wie sich Kauf- und Mietmarkt im dritten Quartal auseinanderentwickeln.
Kurz gesagt
- Wohnungen in den sieben größten Städten sind im Jahresvergleich billiger geworden, Häuser noch stärker.
- Die Mieten legen in allen Vergleichsgruppen zu, am stärksten im Umland der Metropolen.
- Das IW sieht in teureren Krediten und fehlendem Neubau die Gründe und schlägt staatliche Bürgschaften vor.
Wer in einer deutschen Metropole kaufen möchte, trifft auf etwas niedrigere Preise als vor zwölf Monaten, wer mietet, muss tiefer in die Tasche greifen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, über die unter anderem der Tagesspiegel berichtet. Als Auslöser nennt das Institut stark gestiegene Kreditzinsen.
Wie stark die Kaufpreise nachgeben
Die Studie stützt sich auf Wohnungsinserate aus der Value-Marktdatenbank. Nach Angaben des IW bildet sie den öffentlichen Wohnungsmarkt repräsentativ ab. Gegenübergestellt werden das dritte Quartal und der Vorjahreszeitraum.
| Markt | Preisentwicklung |
|---|---|
| Wohnungen, sieben größte Städte | fast 1 % weniger |
| Häuser, sieben größte Städte | 2,3 % weniger |
| Wohnungen in Stuttgart | 3,9 % weniger |
| Wohnungen in Berlin | 2,0 % weniger |
| Wohnungen in Köln | 1,3 % weniger |
| Wohneigentum bundesweit | stagniert |
Die IW-Immobilienökonomen Michael Voigtländer und Pekka Sagner halten fest, dass das Preisniveau im gesamten Bundesgebiet damit rund ein Zehntel unter dem Rekord aus dem Jahr 2022 verharrt. Sie formulieren es so: „Damit liegen die Preise gut zehn Prozent unter dem Höchststand von 2022“.
Wenn der Kredit teurer wird
Der Finanzierungsvermittler Interhyp beziffert den durchschnittlichen Zins für zehnjährige Immobiliendarlehen zuletzt auf rund 4,5 Prozent. Einen höheren Wert gab es seit der Finanzkrise 2009 nicht.
Das IW rechnet an einem Beispiel vor, was das bedeutet: Wer 300.000 Euro leiht und zwei Prozent tilgt, zahlte zu Jahresbeginn rund 1.450 Euro im Monat. Inzwischen liegt die Rate laut IW über 1.600 Euro, also mehr als ein Zehntel höher.
Zurückhaltung zeigen zudem Investoren mit viel Eigenkapital. Wegen der Schuldensorgen in Ländern wie Frankreich bringen Staatsanleihen wieder höhere Erträge, wodurch Immobilien als Kapitalanlage an Reiz verlieren.
Dass die Darlehenszinsen so stark zugelegt haben, führt der dpa-Bericht im Tagesspiegel auf zwei Faktoren zurück: Sorgen vor Inflation und steigende Leitzinsen. Die Mehrkosten tragen vor allem Haushalte, die aktuell einen Immobilienkredit aufnehmen.
Nach Einschätzung von ad-hoc-news.de sinkt für Kaufinteressenten zwar der Preis einzelner Objekte, doch die monatliche Belastung aus Zins und Tilgung wächst weiter. Auch Kapitalanleger rechnen demnach schwieriger, weil höhere Anleiherenditen, Baukosten und Finanzierungskosten die Attraktivität von Immobilien mindern.
Mieten im Vergleich
Anders als die Kaufpreise ziehen die Angebotsmieten an. Das IW analysiert, dass der Aufwärtsdruck bei den Mieten zugenommen hat. Die Werte:
- bundesweit: plus 4,5 Prozent
- im Umland der Metropolen: plus 5,2 Prozent
- in den Metropolen: plus 3,8 Prozent, damit unterdurchschnittlich
- in Hamburg: laut IW fast sieben Prozent, die Ausnahme unter den Metropolen
Dieselben Zahlen nennt focusplus.de in seinem Bericht zur Studie.
Ursachen und Vorschläge des IW
IW-Experte Voigtländer erklärt den Mechanismus so: „Hohe Zinsen treiben zahlungskräftige Haushalte zurück auf den Mietmarkt“. Die Nachfrage nach Mietwohnungen wächst dadurch, während das Angebot nicht mitzieht. Hinzu kommen steigende Baukosten, denn Bauen verbraucht viel Energie. Deshalb dürfte nach seiner Darstellung weniger gebaut werden, was die Mieten weiter nach oben treibt.
Voigtländer fordert den Staat zum Gegensteuern auf: „Der Staat sollte gegensteuern, etwa mit Bürgschaften für private Immobilienkredite. Das kostet wenig und stabilisiert den Markt.“ Wie teure Finanzierungen die Kaufbereitschaft von Haushalten dämpfen, beschreibt auch der Beitrag zu den hohen Bauzinsen.
Besonders angespannt ist die Lage laut ad-hoc-news.de in wirtschaftsstarken Städten. Dort träfen eine hohe Nachfrage, begrenzte Bauflächen und ein schwacher Neubau auf Haushalte, die den Erwerb von Eigentum wegen der Finanzierungskosten aufschieben. Diese zusätzliche Nachfrage wirke auf den Mietmarkt, ohne dass kurzfristig entsprechend viele Wohnungen entstünden.
Foto: Efrem Efre / Pexels



