Laufzeit-ETFs auf Anleihen als Quelle für planbare Zinsen

Anleihefonds mit festem Fälligkeitsdatum machen Zinserträge kalkulierbarer als klassische Rentenfonds, doch Gebühren und Produktvielfalt verlangen Sorgfalt.

Jens Albrecht Von Jens Albrecht
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Laufzeit-ETFs auf Anleihen als Quelle für planbare Zinsen
Calendrier de mars, loupe et pièces de monnaie posés sur une surface sombre: une image d’illustration sur le thème du temps et de l’argent.

Kurz gesagt

  • Anleihen werden am Laufzeitende zurückgezahlt, solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt.
  • Klassische Anleihefonds ohne Fälligkeit gelten laut Experten als schwer kalkulierbar.
  • In Deutschland stehen mehr als 3.000 ETFs zur Auswahl.
  • Schon 0,6 Prozentpunkte mehr Gebühr können über 20 Jahre Tausende Euro kosten.

Wer aus seinem Depot regelmäßig Zinsen beziehen möchte, findet in Anleihen ein vergleichsweise berechenbares Werkzeug. Der entscheidende Vorteil liegt im Fälligkeitstermin: Ein Anleger, der bis zum Ende durchhält, muss sich um Kursausschläge zwischendurch kaum kümmern. Diesen Mechanismus übertragen Laufzeit-ETFs auf breit gestreute Fonds.

Warum das feste Enddatum den Unterschied macht

Eine Anleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen, der zu einem vereinbarten Termin zurückgezahlt wird. Bleibt der Schuldner zahlungsfähig, erhält der Gläubiger am Ende sein Geld, egal wie der Kurs in der Zwischenzeit geschwankt hat. Laut Handelsblatt lässt sich so auf einfache Weise ein monatliches Zusatzeinkommen aufbauen.

Die jüngere Entwicklung am Rentenmarkt hat diesen Ansatz attraktiver gemacht. Inflationsängste, steigende Leitzinsen der Notenbanken und wachsende Staatsschulden drückten die Anleihekurse in den vergangenen Monaten spürbar nach unten. Weil Kurs und Rendite gegenläufig zusammenhängen, liegen die Renditen nun deutlich höher, bei Staatsanleihen besonders, aber ebenso bei Unternehmenspapieren. Letztere stufen viele Strategen nach Angaben des Handelsblatts als interessant ein, da zahlreiche Firmen ihre Verschuldung zurückfahren, während Staaten das Gegenteil tun.

Klassische Rentenfonds gegen Laufzeit-ETFs

Um das Ausfallrisiko einzelner Schuldner zu begrenzen, liegt eine Streuung über Fonds nahe. Hier lauert allerdings ein Haken. Herkömmliche Anleihefonds besitzen kein Fälligkeitsdatum, ihr Anteilswert bewegt sich deshalb ständig mit den Kursen der enthaltenen Papiere. Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School, hält solche Fonds nach Darstellung des Handelsblatts daher für wenig geeignet, wenn es um passives Einkommen geht: Die Anlage wird schwer planbar.

Person prüft ausgedruckte Finanzdiagramme und bedient einen Laptop mit Kursdiagrammen an einem weißen Schreibtisch.
Auswertung von Kursverläufen: Ausgedruckte Diagramme und ein Laptop mit Chartansicht liegen auf einem Schreibtisch. Foto: Yan Krukau / Pexels

Fonds mit fester Laufzeit lösen dieses Problem, weil sie wie eine einzelne Anleihe auf einen Endtermin zulaufen. Seit knapp drei Jahren gibt es sie auch als kostengünstige, börsengehandelte Indexfonds. Durch die Kombination mehrerer solcher Fonds lassen sich die Zinszahlungen so staffeln, dass quartalsweise Geld auf dem Konto eingeht.

Ein Markt mit wachsender Auswahl

Laufzeit-ETFs sind nur ein Segment eines rasant gewachsenen Angebots an der Börse.

über 3.000ETFs in Deutschland erhältlich, fast doppelt so viele wie sechs Jahre zuvor
4,7 Mio.ETF-Besitzer hierzulande im Jahr 2025, knapp doppelt so viele wie 2022

Neben klassischen Indexfonds umfasst das Sortiment Themen-ETFs, Smart-Beta- oder Faktor-ETFs, Hebelprodukte, die tägliche Gewinne wie Verluste vervielfachen, und aktiv gemanagte ETFs. Letztere werden ebenfalls an der Börse gehandelt und sind meist billiger als traditionelle Investmentfonds.

Aktive ETFs in Europa (Morningstar) Wert
Anteil an neu aufgelegten ETFs, Januar bis August 2026 23 %
Anteil an neu aufgelegten ETFs, 2022 3,2 %
Verwaltetes Vermögen Ende August 2026 rund 123 Mrd. Euro
Anteil am europäischen ETF-Vermögen 3,8 %
Vergleichswert USA rund 13 %

Kosten und Grenzen im Blick

Wie tagesschau.de berichtet, unterscheiden sich die laufenden Gebühren erheblich:

  • Breite ETFs auf Weltindizes oder den DAX: ab 0,1 % jährlich oder darunter
  • Passive Aktien-ETFs im europäischen Schnitt: 0,27 % (Morningstar, Stand August 2025)
  • Aktive Aktien-ETFs: 0,37 %
  • Klassische aktive Aktienfonds: 1,32 %

„Für komplexe ETFs zahlen Anleger 0,6 oder 0,7 Prozent, teilweise sogar noch mehr“

Ali Maserwah, Fondsanalysehaus Envestor

Höhere Kosten versprechen keine höhere Rendite. Dass ein aktiver ETF seinen Vergleichsindex übertrifft, ist nicht gesichert; Untersuchungen belegen, dass selbst professionelle Manager den Markt auf lange Sicht oft verfehlen. Hinzu kommt die Unübersichtlichkeit: Einer Finanztip-Umfrage zufolge empfindet mehr als jeder fünfte Befragte, der ETFs kennt, die Produkte als schwer vergleichbar.

Foto: Leeloo The First / Pexels