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Deutsche Bank AG
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Deutsche Bank AG

Märkte kollabieren wegen Systemrisiko durch Deutsche Bank

30.09.2016 | 07:54

Unser Geldsystem beruht auf Vertrauen. Die Deutsche Bank hat dieses Vertrauen vielfach gebrochen, derzeit sieht sie sich einer Strafandrohung von 14 Mrd. USD durch die US-Justiz gegenüber. Die Anzeichen mehren sich, dass diese Strafe, wenn auch nicht in voller Höhe, so doch hoch genug sein wird, um die Existenz der Deutschen Bank in Frage zu stellen.

Donnerstag Nachmittag gegen 16 Uhr kamen nun Gerüchte auf, dass für die Deutsche Bank das Interbankengeschäft zusammenbricht. Banken leihen sich untereinander Geld, um den täglich schwankenden Liquiditätsbedarf auszugleichen. Einer Bank, deren Existenz bedroht ist, leiht man nicht mehr gerne Geld, denn man weiß nicht, ob man das Geld zurück bekommt. UNd dies Befürchtung hat sich gestern im Markt durchgesetzt.

Der DAX brach um 16 Uhr ein und wandelte sein Tagesplus von 0,4% in ein Minus von 0,3%. Der Dow Jones ging auf Tauchstation und endete mit einem Tagesminus von 1,1%. Ich fürchte, die Geschichte um die Deutsche Bank wird erst noch viel schlimmer werden, bevor an Besserung zu denken ist. Gestern früh habe ich die Hintergründe zu dieser Sache zusammengeschrieben, hier meine Ausführungen:

Harakiri der Deutschen Bank

Nehmen wir einmal an, ich habe meinem Sohn für den Rest des Tages Süßigkeitverbot erteilt. Wenn ich ihn nun höre, dass er seinem Freund erzählt, sein Vater halte das Verbot ohnehin nicht durch, was glauben Sie, was ich dann tun werde? Ich werde mich doppelt anstrengen, das Verbot diesmal unter allen Umständen durchzusetzen.

Deutsche Bank CEO John Cryan sowie sein PR-Chef lassen keine Gelegenheit aus der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass die von der US-Justizbehörde verhängte Strafe über 14 Mrd. USD ohnehin nicht in voller Höhe zu bezahlen sein werde. Was glauben Sie, wie die US-Justizbehörde wohl reagieren wird?

Insgesamt 5 Mrd. Euro hat die Deutsche Bank für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt, die Hälfte davon war für die hier angesprochene Sache vorgesehen. In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank sich an dem Vertrieb minderwertiger Hypothekenkredite (Ramschanleihen) beteiligt. Die Öffentlichkeit wurde getäuscht, dafür wird nun eine Strafe fällig.

Cryan fordert, die Deutsche Bank solle von der US-Justiz genauso behandelt werden wie ihre amerikanischen Wettbewerber. Okay, hier die Strafen, die von den US-Banken bezahlt wurden:

- J.P. Morgan 13 Mrd USD - Bank of America 8,5 Mrd. USD - Goldman Sachs 5 Mrd. USD

Alle drei Banken haben sich frühzeitig um eine Einigung bemüht und kooperierten vollumfänglich mit den Anforderungen der US-Justiz. Die Deutsche Bank hat inzwischen in den USA den Ruf, bis zum letzten Augenblick herumzutricksen. Voraussetzung für ein Entgegenkommen bei den verhandlungen über die Höhe der Strafe ist das vollumfängliche Kooperieren mit den Behörden, davon ist die Deutsche Bank weit entfernt.

William Baer, Stellvertreter des Generalstaatsanwalts der US-Justiz, legt offen, „DOJ’s Baer says U.S. banks ‘chose not to’ help, raising fines“ – „Die Deutsche Bank habe sich entschieden, die Ermittlungen nicht zu unterstützen, daher wurde die Strafe angehoben.“

Mag sein, dass die US-Justiz bei den US-Banken die Zahlungsfähigkeit sowie auch die Wirkung auf den Arbeitsmarkt bei der Festsetung der Strafe im Auge hatte. Solche Argumente wirken bei der Deutschen Bank jedoch nicht, denn sie hat nur verhältnismäßig wenige Angestellte in den USA (kein großes Filialnetz) und ist für die USA sicher nicht systemrelevant.

Aber über diese negativen Faktoren hinaus gibt es noch eine Reihe von geopolitischen Aspekten:

Es mag Zufall sein, dass die Höhe der Strafe gegen die Deutsche Bank etwa der Höhe der Wettbewerbsstrafe entspricht, die von der EU-Kartellbehörde gegen Apple verhängt wurde. Von einer Retourkutsche zu sprechen wäre sicher zu weit hergeholt, dennoch kommt diese Strafe der US-Regierung sicherlich gelegen.

Es mag ein weiterer Zufall sein, dass nun gerade eine Bank aus Deutschland mit einer drakonischen Strafe belegt wurde, die deren Existenz in Frage stellt, während Deutschland sich gegen die staatliche Rettung des italinischen Bankensystems stellt.

In Italien kämpfen eine handvoll Banken, unter anderem die immer wieder erwähnte Banco Monte Dei Paschi die Siena, mit hohen Unternehmenskrediten, die quasi uneinbringlich sind und ihre Existenz bedrohen. Eine Bankenpleite würde Eigentümer und Gläubiger bis hin zu Kunden belasten und hätte in Italien eine verheerende Signalwirkung für regierungschef Renzi: Im November gibt es ein Referendum in Italien, an dessen Ausgang renzi sein Amt gehangen hat. Wenn Renzi die Banken fallen lässt und damit die Kunden belastet, wäre eine Protestabstimmung wahrscheinlich, er würde sein Amt verlieren.

Derweil wirbt EZB-Chef Supermario Draghi für die Ausgliederung solcher Problembereiche aus den Banken, damit diese dann von der EU (sprich: unseren Steuergeldern) übernommen werden. Die Banken bleiben mit ihrem gesunden Geschäft bestehen, die Bad Bank landet beim Steuerzahler. Die Deutsche Regierung verweigert sich diesem Konzept.

Wenn nun die Deutsche Bank durch die drakonische Strafe der US-Justiz in die Insolvenz getrieben wird, wie wird die Deustche Regierung dann reagieren? Staatliche Rettung ohne die Beteiligung der Gläubiger ist seit kurzem in Europa nicht mehr gestattet. Wird an der Deutschen Bank etwa ein Exempel statuiert, dass auch diese EU-Regel nichts wert ist, wenn sie in Deutschland angewendet werden muss?

Die Deutsche Bank könnte ein paar Milliarden Euro über den Verkauf von Unternehmensteilen sowie die Ausgabe von neuen Aktien generieren. Wenn die Strafe also halbiert würde, könnte sie gegebenenfalls überleben. Eine zweistellige Milliardenstrafe hingegen würde sie meiner Einschätzung nach überfordern.

CEO Cryan täte gut daran, einen etwas devoteren Tonfall der US-Justiz gegenüber anzuschlagen, denn er spielt mit der Existenz der Deutschen Bank.

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Autor: a|m-Redaktion



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Deutsche Bank US-Justiz Existenz


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