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Schwäbische Zeitung: Es gibt kein gutes Töten - Kommentar zur Sterbehilfe

04.11.2015 | 19:31

Ravensburg (ots) - Eine Mehrheit der Deutschen, so suggerieren es immer wieder Meinungsforscher, befürwortet den assistierten Suizid. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Abgeordneten des Bundestags am Freitag von solcher vorgeblicher Mehrheitsmeinung nicht werden leiten lassen. Dem Befund ist nämlich zu misstrauen, weil das Ergebnis der Umfragen jeweils stark von der konkreten Fragestellung beeinflusst ist. Und noch etwas sei vorausgeschickt: Neben dem grundsätzlichen Recht auf Selbstbestimmung argumentieren die Befürworter der Tötung auf Verlangen oft mit extremen, herzerweichenden Einzelfällen. Dem wäre zu entgegnen, dass Ausnahmen gerade nicht dazu taugen, daraus allgemeingültige Gesetze abzuleiten.

Ansonsten ist dieses so hoch kompliziert erscheinende Problem, wie nämlich die Gesellschaft mit Menschen am Ende ihres Lebens umgehen soll, gar nicht so schwer zu lösen. Sie soll ihnen nach Möglichkeit ein menschenwürdiges Sterben ermöglichen, einen guten Tod. Die Voraussetzungen dafür - etwa der Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizbewegung - sind bekannt. Ein gutes Töten, so hat es der Philosoph Robert Spaemann formuliert, gibt es dagegen nicht. Die Argumente der Befürworter assistierter Selbsttötung oder der Tötung auf Verlangen sind schwächer als die Argumente derer, die das verhindern wollen. Wer sich beispielsweise näher mit diesem Recht auf Selbstbestimmung befasst, wird bald merken, dass es fragwürdig ist. In den Niederlanden etwa stirbt ein Drittel der legal Getöteten nicht auf eigenes Verlangen, sondern nach dem Urteil von Angehörigen und Ärzten. Es kann einen schaudern angesichts der Risiken, die eine gesetzliche Freigabe mit sich bringt.

Ist es ein Zufall, dass die Diskussion hierzulande hochkocht in einer schnell alternden Gesellschaft? In einem Gesundheitssystem, das von den hohen Kosten der letzten Lebensphase Todkranker extrem belastet ist? Wohl kaum. Die Vorstellung, dass von den Alten und Kranken irgendwann erwartet wird, sie sollten aufhören, anderen zur Last zu fallen, ist gruselig. Abwegig ist sie nicht.

Pressekontakt: Schwäbische Zeitung Redaktion Telefon: 0751 2955 1500 redaktion@schwaebische-zeitung.de

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