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Aktien Frankfurt: Dax trotzt Terror-Anschlägen in Brüssel

22.03.2016 | 12:14

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat die mutmaßlichen Terroranschläge in Brüssel am Dienstag vergleichsweise gut verkraftet. Der Dax <DAX.ETR>, der zum Handelsstart um bis zu knapp 2 Prozent abgesackt war, konnte seine Verluste deutlich eindämmen: Um die Mittagszeit stand er noch 0,04 Prozent tiefer bei 9944,95 Punkten.

"Die Lage ist derzeit noch nicht überschaubar", warnte indes Händler Markus Huber vom Broker City of London Markets. Nun machten Sorgen die Runde, "dass dies der Anfang einer neuen Terrorwelle in Europa sein könnte". Bei Explosionen am Brüsseler Flughafen und in der Metro der belgischen Hauptstadt gab es am Dienstag zahlreiche Tote und Verletzte. Die belgischen Sicherheitsbehörden gehen von Terroranschlägen aus.

Am Vortag war der deutsche Leitindex lustlos in die verkürzte Börsenwoche vor Ostern gestartet - Marktbeobachter hatten von einem ausgedünnten Geschäft gesprochen. Allerdings hat das Börsenbarometer davor auch fünf Wochen in Folge zugelegt und sich um bis zu knapp 12 Prozent von seinem bisherigen Jahrestief im Februar erholt.

KEIN GEGENWIND VON KONJUNKTURDATEN

Zumindest seitens der Konjunktur bekam der Dax keinen Gegenwind: Sowohl das Ifo-Geschäftsklima als auch die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelten Konjunkturerwartungen von Finanzexperten legten zu. Außerdem hellte sich die Unternehmensstimmung im Euroraum auf.

Auch die anderen Indizes verringerten am Dienstag ihre anfänglichen Abschläge: Der MDax <MDAX.ETR> der mittelgroßen Werte verlor zuletzt noch 0,02 Prozent auf 20 105,65 Punkte, und für den Technologiewerte-Index TecDax <TDXP.ETR> ging es um 0,01 Prozent auf 1594,64 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <SX5E.DJX> fiel um 0,67 Prozent auf 3028,48 Punkte zurück.

LUFTHANSA UND FRAPORT LEIDEN UNTER TERRORANGST

Im Dax sackten die Lufthansa-Aktien <LHA.ETR> wegen der wieder verstärkten Terrorangst um 1,54 Prozent ab, am MDax-Ende büßten die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport <FRA.ETR> 2,18 Prozent ein. "Unsicherheit heißt an der Börse erst mal verkaufen", sagte ein Börsianer. Das betreffe bei Terroranschlägen in einer ersten Reaktion vor allem die Reiseanbieter.

Unter die Räder geriet auch die Deutsche Bank <DBK.ETR>, deren Anteilsscheine als Dax-Schlusslich 2,10 Prozent einbüßten. Ein Händler verwies darauf, dass dem hiesigen Branchenprimus eine Abstufung seiner Kreditwürdigkeit durch die US-Ratingagentur Moody's droht. Zudem werfe ein "Handelsblatt"-Bericht, wonach das Finanzamt 706 Millionen Euro von der deutschen Tochter der Citigroup <C.NYS> <TRVC.FSE> fordert, die Frage auf, was das für die Deutsche Bank und die Commerzbank <CBK.ETR> bedeute, hieß es weiter. Die Commerzbank-Titel verloren 0,85 Prozent.

KUKA ENTTÄUSCHT MIT AUSBLICK UND DIVIDENDE

Spitzenreiter im deutschen Leitindex waren die 2,40 Prozent festeren Aktien des Versorgers RWE <RWE.ETR>. Auch die Papiere des Pharmakonzerns Merck KGaA <MRK.ETR> hielten sich mit plus 0,34 Prozent vergleichsweise gut. Beide Branchen gelten als defensiv und können für gewöhnlich einem schwachen Marktumfeld am besten trotzen.

Bei den Nebenwerten sorgten vor allem einige Unternehmenszahlen für Bewegung. Im MDax büßten die Kuka-Titel <KU2.ETR> 1,82 Prozent ein. Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr setzt der Roboterbauer seine Ziele für 2016 niedriger an. Dass das operative Ergebnis wegen erhöhter Investitionen in die Digitalisierung von Produktion und Logistik weniger stark steigen soll als der Umsatz, könnte laut UBS-Analyst Sven Weier einige Marktteilnehmer enttäuschen. Zudem blieb der Dividendenvorschlag hinter den Expertenerwartungen zurück.

DIVIDENDE BEFLÜGELT STRÖER

Derweil stemmten sich die Aktien von Ströer <SAX.ETR> mit plus 2,17 Prozent gegen den Markttrend. Der Werbevermarkter hebt seine Dividende nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr stärker an als gedacht.

Bei den Technologiewerten gewannen Evotec <EVT.ETR> 2,80 Prozent. Beobachter lobten sowohl die Abspaltung von Topas Therapeutics, das auf dem Gebiet immunologischer Erkrankungen tätig ist, als auch "besser als erwartet ausgefallene" Zahlen und einen optimistischen Ausblick".

Dagegen büßten die Nordex-Titel <NDX1.ETR> weitere 3,14 Prozent ein. Als Belastung sah ein Börsianer Nachwirkungen des enttäuschenden Geschäftsausblicks. Ein anderer Händler verwies darauf, dass die Eigentümer des Windanlagen-Konkurrenten Senvion <RPW.ETR> beim zweiten Anlauf an die Börse den Platzierungspreis für die Aktie am unteren Rand der angepeilten Spanne festgelegt haben. Damit sei Senvion deutlich niedriger bewertet als Nordex. Allerdings sei Nordex besser am Markt positioniert und wachse auch stärker, betonte der Händler. gl fbr

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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