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Interview mit Dr. Nikolaus Weinberger, CFO von windeln.de

02.09.2015 | 08:38

Angesichts der aktuellen Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt würde mich natürlich zuallererst interessieren wie Sie den chinesischen Markt bewerten? Spüren Sie im Moment eine Schwäche in Ihrem China-Geschäft und droht uns Ihrer Ansicht nach tatsächlich eine Krise?

Dr. Weinberger: Für uns ist jeder Markt, auf dem wir agieren, wichtig. Mit Blick auf China ist festzuhalten, dass unsere Aktivitäten dort relativ unabhängig von den Entwicklungen des chinesischen Aktienmarktes sind – aus mehreren Gründen: Zum einen werden Babyprodukte immer gekauft. Zum anderen bleibt das Marktpotenzial mit 17 Millionen Geburten pro Jahr auch in Zukunft sehr hoch: Das Volumen des Cross-Border E-Commerce-Markts in China wird im Jahr 2015 auf EUR 18 Mrd. geschätzt, bis 2017 wird ein Anstieg auf EUR 54 Mrd. erwartet. Baby- und Schwangerschaftsprodukte machen rund 41% des Marktes aus – neben beispielsweise Bekleidung oder Kosmetika. Aufgrund des fehlenden Vertrauens der chinesischen Konsumenten in lokale, chinesische Hersteller gibt es eine starke Nachfrage nach ausländischen Produkten.

a|m: Neben China konzentrieren Sie sich zurzeit in erster Linie auf den deutschsprachigen Markt, also die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. Daneben gibt es eben noch China sowie ein noch vergleichsweise winziges Italien-Geschäft. Planen Sie eine weitergehende Internationalisierung Ihrer Geschäfte und in wie weit ist diese internationale Expansion unter dem Namen windeln.de überhaupt möglich? Wird die mögliche Expansion eher durch Akquisitionen oder doch eher organisch vorangetrieben?

Dr. Weinberger: In den vergangenen Monaten haben wir nicht nur den organischen Markteintritt in Italien mit pannolini.it vorangetrieben, sondern auch die Online-Shops feedo und bebitus übernommen. Damit sind wir mit feedo heute auch in der Tschechischen Republik, in Polen, der Slowakei sowie mit bebitus in Spanien, Portugal und Frankreich vertreten. In allen diesen Regionen sehen wir großes Wachstumspotenzial.

Deshalb wollen und werden wir weiter wachsen und dynamisch agieren. Konkret setzen wir in Zukunft also weiterhin auf sowohl organisches, als auch akquisitives Wachstum.

Der Name windeln.de stellt dabei kein Problem dar, da wir bei organischem Wachstum, wie das Beispiel pannolini.it zeigt, das Wort „Windeln“ in die jeweilige Landessprache übersetzen. Akquirierte Onlineshops, wie bebitus und feedo, werden ihren Namen behalten. Unser Ziel ist es, beim Online-Vertrieb von Produkten für die junge Familie der Marktführer in Europa zu werden.

a|m: Sie sind mit dem Verkauf von Baby- und Kinderartikel über das Internet erfolgreich. Aber im Internet ist der nächste Online-Shop stets nur einen Klick entfernt. Wie sehen Sie Ihr Unternehmen gegenwärtig aufgestellt, besonders mit Blick auf große Anbieter wie Amazon.com? Spüren Sie hier Konkurrenzdruck und wie äußert sich dieser?

Dr. Weinberger: Amazon ist nicht zuletzt durch seine Größe, Markenbekanntheit und Liefergeschwindigkeit ein Hauptwettbewerber, jedoch sind wir in unserem Segment sehr spezialisiert und bieten unseren Kunden mit mehr als 100.000 Artikeln von über 1.000 Marken eine diversifizierte Auswahl. Anders als Amazon bieten wir einen klaren Fokus auf alle Themen rund um die Bedürfnisse für Babys und Kleinkinder. Am Beispiel Nahrung kann man das ganz gut deutlich machen: Wir bieten unseren Kunden umfangreiche Hintergrundinformationen und geben die Möglichkeit, nicht nur nach Herstellern zu suchen sondern auch nach Alter des Kindes oder bestimmten Essensanforderungen (z.B. glutenfreie Ernährung). Wir sind auch der einzige Online-Händler, der die Biomarke Alnatura im Sortiment hat.

Neben Amazon sind auch die Drogeriemärkte wie dm als Wettbewerber zu nennen. Im Gegensatz zu diesen verfügen wir über ein deutlich breiteres Produktportfolio und bieten die eindeutigen Vorteile des Online-Handels: „Convenience“ des Einkaufens, des Bestellens und der Lieferung. Jeder, der einmal mit einem nörgelnden Baby versucht hat, Einkäufe in einem Laden zu erledigen, weiß, wie wichtig das ist.

a|m: Sie sind erst im Mai an die Börse gegangen und bisher war die Entwicklung des Aktienkurses eher enttäuschend. Sind Sie dennoch zufrieden mit dem Börsengang oder würden Sie rückblickend irgendetwas anders machen? Hintergrund meiner Frage ist, dass die beiden Finanzinvestoren Deutsche Bank und Goldman Sachs, die ja auch den Börsengang begleiteten, noch kurz vor Ihrem Börsengang zu deutlich günstigeren Konditionen bei Ihrem Unternehmen eingestiegen sind. Wie erklären Sie sich einerseits die deutliche Wertsteigerung Ihres Unternehmens zwischen deren Einstieg und Ihrem Börsengang sowie andererseits die Kursverluste seit dem IPO?

Dr. Weinberger: Die Investition von Deutsche Bank und Goldman Sachs wurde rund ein Jahr vor dem Börsengang von windeln.de verhandelt, das so genannte Closing fand erst später statt. In dem Zeitraum zwischen Investition und Börsengang hat sich unser Umsatz mehr als verdoppelt, was auch den Anstieg der Bewertung erklärt.

Den Kurs an der Börse können wir nur bedingt beeinflussen. Die Halbjahreszahlen belegen, dass unsere Strategie stimmt und wir auf einem guten Weg sind – sowohl im Hinblick auf das Wachstum als auch die Verbesserung unserer Margen. Wir nutzen die Liquidität aus dem Börsengang auch dazu, unsere europäische Expansion konsequent voranzutreiben. Mit dem Einstieg in Italien und den Akquisitionen von feedo und bebitus sind wir auf neuen, hochattraktiven Märkten präsent, die viel Potenzial für weiteres Wachstum bieten. Das ist eine gute Nachricht für unsere Investoren. Jetzt kommt es darauf an, die neuen Unternehmen zu integrieren, um Skalen- und Synergieeffekte zu nutzen.

a|m: Im Geschäftsjahr 2014 erzielten Sie einen Jahresumsatz von 101 Mio. Euro bei einem Verlust in Höhe von 9,6 Mio. Euro. Für 2015 planen Sie ein Umsatzwachstum zwischen 70-80% bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Profitabilität. Können Sie diese Vorgaben ein wenig konkretisieren? Wie sehen Ihre Ziele in 2015 sowie darüber hinaus für 2016 konkret aus? Und liegen Sie zurzeit noch voll im Plan die Geschäftsziele für 2015 auch mindestens zu erreichen?

Dr. Weinberger: Als börsennotiertes Unternehmen können wir leider nicht konkreter werden, sondern auf die Informationen verweisen, die wir der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die Kernbotschaft lautet in diesem Kontext: Wir sind auf Kurs und blicken auf ein sehr erfolgreiches Halbjahr zurück. Unsere Guidance für das Gesamtjahr haben wir nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr bestätigt und konkretisiert: Wir erwarten einen Umsatzanstieg von rund 70% für das Bestandsgeschäft zuzüglich einem Umsatzbeitrag aus den Akquisitionen. Darüber hinaus rechnen wir mit einer Verbesserung der EBIT-Marge von -8% im Vorjahr auf -6% bis -5% für das Bestandsgeschäft. Einschließlich der Zukäufe werden wir voraussichtlich -8% bis -6% erreichen.

a|m: Aktuell befinden sich nur rund 11 Mio. Aktien (43,33%) im sogenannten Free Float, rund 14,5 Mio. Aktien (56,67%) sind dagegen in festen Händen. So halten die Gründer Konstantin Urban und Alexander Brand gemeinsam mehr als 10% am Unternehmen. Wie stehen die Investoren DN Capital (12,25%), Acton Capital (11,51%), die Deutsche Bank (8,77%), Private Equity Managers (6,90%) sowie Goldman Sachs (6,78%) zu der Beteiligung an Ihrem Unternehmen. Sind diese ausstiegsbereit, gäbe es Interessenten für deren Aktienpakete und wäre nicht eine Erhöhung des Free Floats im Hinblick auf mögliche Indexaufnahmen ohnehin wünschenswert?

Dr. Weinberger: Bitte verstehen Sie, dass wir nicht für unsere Gesellschafter sprechen können und uns auch nicht an Spekulationenbeteiligen.

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