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versiko AG
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versiko AG

Interview mit Alfred Platow, Vorstandsvorsitzender der versiko AG

26.07.2011 | 12:52

Zum Alleinstellungsmerkmal gehört die Tochtergesellschaft ÖKOWORLD LUX S.A. – die erste und einzige Kapitalanlagegesellschaft, die ausschließlich Fonds auflegt und managt, die ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien folgen. Im Interview mit a|m spricht der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Alfred Platow über die jüngsten Entwicklungen seines Unternehmens.

a|m: Herr Platow, letzte Woche wurde auf der Hauptversammlung eine deutliche Dividendenerhöhung beschlossen (0,26 € je Aktie). Ist die höhere Dividende nachhaltig möglich für Ihr Unternehmen oder war das Jahr 2010 ein positiver Ausreißer?

Das Jahr 2010 war nach der Durststrecke im Jahr 2009 tatsächlich ein besonders gutes Jahr. Doch auch im Jahr 2011 sieht es wieder sehr gut aus, und ich erwarte, dass wir das Niveau von 2010 auch in diesem Jahr mindestens wieder erreichen.

Der Grund für meine Zuversicht liegt in der Struktur unserer Kunden: Die Finanzprodukte der versiko und die Fonds der Kapitalanlagegesellschaft ÖKOWORLD werden weniger von internationalen Großanlegern gekauft als vielmehr von unzähligen Einzelkunden. Unsere betriebliche Altersvorsorge beispielsweise wird von rund 4.000 Naturkostgeschäften in Deutschland in Anspruch genommen. Landwirtschaftsbetriebe im Bereich der biologisch bewussten Produktion nutzen unsere betriebliche Altersvorsorge. Weitere 4.000 Ärzte mit einem Bezug zur Homöopathie, zur Akkupunktur oder anderen naturheilkundlichen Ansätzen zählen zu unserer breiten Kundenbasis. Insgesamt hat der Allfinanzmakler versiko 55.000 Kunden, deren geschäftliche Ausrichtung die Nutzung einer betrieblichen Altersvorsorge mit dem besonderen Anspruch der grünen, Frau Merkel würde sagen „nachhaltigen“, Geldanlage nahelegt.

Gleichzeitig betreiben wir unsere Anlagefonds, wie beispielsweise den Ökoworld Ökovision Classic mit hauseigenem Management und eigener Finanzmarktanalyse in Luxemburg. Es besteht bei dieser Kundenstruktur also nicht die Gefahr, dass ein Großanleger, der heute noch Feuer und Flamme für Ökofonds ist und zig Millionen Euro investiert, morgen schon in einen anderen Anlagebereich „umschichtet“ und unsere Ökofonds sich in kurzer Zeit großen Liquiditätsabflüssen gegenüber sehen. Unsere Kundenstruktur steht für Beständigkeit und zeigt großes Vertrauen.

Gerade während der jüngsten Finanzkrise hat uns diese Struktur geholfen, wir hatten wesentlich weniger mit plötzlichen Kapitalabflüssen zu kämpfen als andere Fonds.

a|m: Die versiko vollendete das Berichtsjahr 2010 mit einem Bilanzgewinn von über 3,9 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss nach Steuern betrug über 2,8 Mio. Euro. Die Dividende von 0,26 Euro je Vorzugsaktie wurde steuerfrei ausgeschüttet, insgesamt 1.993.000,00 Euro. Beim aktuellen Kursniveau bedeutet das immerhin eine Rendite von etwa 5% nach Steuern. Wie lange werden Sie Ihre Dividende noch steuerfrei ausschütten können?

Unsere Bilanz verfügt derzeit über ein Vorratsvermögen von 7 Mio. Euro, das wir noch steuerfrei ausschütten können. Sie können also noch viele Jahre mit einer steuerfreien Dividende rechnen.

Lassen Sie mich noch hinzufügen, dass die versiko außerordentlich liquide ist und über eine Eigenkapitalquote von 65% verfügt, was im Branchenvergleich verhältnismäßig hoch ist. In der jüngsten Vergangenheit brauchten wir glücklicherweise keine großen Investitionen durchzuführen, auch konnten wir durch die Konzentration unserer Vertriebsstruktur deutlich Kosten einsparen.

a|m: Seit dem Atomunglück in Japan in diesem Frühjahr stellt unsere Bundesregierung die Energiepolitik auf den Kopf. Es entsteht ein großer Finanzierungsbedarf für neue Projekte im Bereich des Netzausbaus, großer Windkraftanlagen, Geothermie und anderer Ökotechnologien. Wie möchte die versiko von dieser zum Jahresbeginn nicht zu erwartenden Entwicklung profitieren?

Nein, von diesen unvorhersehbaren Ereignissen haben wir aus geschäftlicher Sicht keine Auswirkungen verspürt. Sie müssen unterscheiden zwischen dem Zufluss an neuen Anlagegeldern und der Performance unserer Fonds. Unser Fonds Ökoworld Ökovision Classic, der besonders auf umwelt- und sozialverträgliche Kriterien bei der Anlage achtet und dies von einem unabhängigen Ausschuss überwachen lässt, verzeichnete in den Tagen nach der Japan-Katastrophe einen deutlichen Kurszuwachs und wenige Tage später wurden diese Kursgewinne wieder abgegeben. In Sachen Zufluss neuer Anlegergelder haben wir keine Auswirkung beobachtet.

Zu erklären ist das ganz einfach, wenn Sie sich die Natur des Menschen anschauen. Im Fall einer solchen Katastrophe ist die erste Reaktion die Informationsbeschaffung und das Mitgefühl für die betroffenen Menschen. In einer zweiten Reaktion wird die Auswirkung auf sich selbst abgeschätzt, aber Japan ist zu weit weg für einen direkten Bezug. Ob man durch eine andere Allokation der eigenen Finanzen hingegen eine solche Katastrophe verhindern könnte, befindet sich leider nicht im Reaktionsschema des Menschen. Unsere Kunden haben dadurch also leider nicht mehr aber auch nicht weniger Geld bei uns angelegt.

Das ist auch ganz natürlich. Das Bewusstein der Bürgerinnen und Bürger schärft sich durch Menschheitskatastrophen, der Stromanbieter wird gegebenenfalls in Richtung Ökostrom gewechselt und auch an der Wahlurne wird eigeninitiativ „grün“ gehandelt. In Sachen Kapitalanlage ist aber notwendig, dass Berater und Finanzvermittler den Kunden die Transferleistung ermöglichen und als Aufklärer die richtigen Botschaften vermitteln. Wir sind noch lange nicht so weit, dass die Kunden selbstständig nach einer Erdöl- oder Atomkatastrophe Ihren Berater anrufen, um das Depot oder die Versicherung kritisch zu hinterfragen.

Spekulativ orientierte Anleger an den Finanzmärkten auf der anderen Seite haben als Folge der Atomkatastrophe umgehend die Solarbranche als Gewinner definiert. Solaraktien wurden gekauft, die Kurse schossen in die Höhe und unser Fonds mit einem Anteil in dieser Branche legte kräftig zu. Doch nachdem sich die Auswirkungen als kleiner herausstellten als zunächst erwartet, entpuppte sich das neue Kursniveau als zu hoch, die Kurse purzelten in den folgenden Wochen wieder bis auf das Ausgangsniveau zurück.

a|m: Durch den Atomausstieg in Deutschland werden "übergangsweise" auch nochmals schmutzige Energieträger ausgebaut werden. Es sind Kohlekraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung geplant. Halten Sie diese "Übergangslösung" für notwendig? Und wenn ja, erhalten Finanzierungen solcher Projekte ebenfalls Einzug in Ökofonds der versiko?

Die Bundesregierung macht den Fehler, die Strom- und Energiepreise nicht auf ein vernünftiges Niveau anzuheben. Es wird keinen Umbruch in Deutschland geben, solange Energie durch Kohlekraftwerke billig produziert und verkauft werden darf. Ein Umstieg ist erst dann möglich, wenn sich der Strompreis verdreifacht hat, wenn der Liter Diesel 2,50 Euro kostet und das Benzin 3 Euro.

Sogenannte „Brückenlösungen“ wie Kraft-Wärme-Kopplung bei Kohlekraftwerken verzögern nur den längst überfälligen Umstieg. Die somit künstlich zu niedrig gehaltenen Energiepreise verhindern oder verzögern die notwendigen Investitionen in umweltverträglichere Technologien. Abgesehen von der Halbherzigkeit bei die Energiepolitik der Zukunft hat die Bundesregierung das Problem der Endlagerung des Atommülls nun auf die lange Bank geschoben: Es gibt derzeit niemanden in der Regierung, der zur Aufgabe hat, dieses Problem zu lösen. Die Unzulänglichkeiten von Gorleben, Asse II, Morsleben oder Schacht Konrad sind hinlänglich bekannt. Es gibt bis heute keine zufriedenstellende Lösung für das Problem der Endlagerung des Atommülls. Doch die Bundesregierung hat das Thema nicht mehr auf der Tagesordnung.

Um den letzten Teil Ihrer Frage klar und deutlich zu beantworten: Eines ist sicher: In die Fonds der ÖKOWORLD werden die Finanzierungen solcher Projekte nicht Einzug halten.

a|m: Herr Platow, vielen Dank für das Interview.

Bei dem hierabgedruckten Interview handelt es sich um die wesentlichen Aussagen von Alfred Platow hinsichtlich der geschäftlichen Situation seines Unternehmens versiko AG. Während des angenehmen Gesprächs wurden aber auch noch weitere Themen angesprochen wie beispielsweise die Frage, wie denn der hohe ethische Anspruch des Unternehmens in der Marktwirtschaft unseres Landes bestehen kann. Auch auf die Frage nach dem besten börsennotierten „Bio-Supermarkt“ in Deutschland hatte Herr Platow eine treffende Antwort. Die entsprechenden Themen werde ich am kommenden Freitag in meinem Börsenbrief Heibel-Ticker abhandeln, den Sie kostenfrei und unverbindlich im folgenden Fenster bestellen können.

Mit dem Heibel-Ticker Börsenbrief halten wir Sie auf dem Laufenden über aktuelle Entwicklungen. Bitte hier kostenfrei und unverbindlich eintragen:
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Autor: Heibel-Ticker



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