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Bechtle AG
ISIN: DE0005158703
WKN: 515870
Bechtle AG

Bechtle: Interview mit CEO Dr. Olemotz am 04.10.2012

04.10.2012 | 15:07

a|m: Herr Dr. Olemotz, Bechtle baut auf zwei Geschäftsbereiche: Das personalintensive IT-Systemhaus & Managed Services auf der einen Seite und das durch Massengeschäft charakterisierte IT-E-Commerce Geschäft auf der anderen Seite. Bitte erklären Sie uns, wie diese beiden Geschäftsbereiche in Ihrem Unternehmen miteinander verzahnt sind.

Dr. Olemotz : Unser Geschäftsmodell – bestehend aus den beiden Segmenten IT-Systemhaus & Managed Services sowie IT-E-Commerce – ermöglicht es uns, flexibel, effektiv und schnell auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen. Das bedeutet, wenn ein Kunde aus unserem Angebot von über 47.000 Produkten Hardware und Software bei uns einkaufen möchte, so kann er dies in 14 Ländern Europas über unsere Webshops oder auch telefonisch immer in Verbindung mit einer kompetenten Beratung machen. Hat der Kunde zusätzlich Bedarf an bestimmten IT-Service-Leistungen, so können wir ihn individuell und auf Augenhöhe durch eines unserer 65 Systemhäuser regional vor Ort im Direktkontakt beraten und langfristig betreuen. Die Verbindung zwischen den beiden Geschäftssegmenten bildet unsere zentrale Logistik & Service-Einheit. Hier führen wir unter anderem Funktionen wie Produktmanagement, Marketing, Katalogproduktion, Europalogistik, Lagerwirtschaft und Einkauf zusammen. Dabei profitieren wir durch die Bündelung unserer Einkaufsaktivitäten nicht nur von entsprechenden Volumeneffekten, sondern können unsere Zusammenarbeit mit über 300 Herstellern und 600 Distributoren zentral und im Interesse unserer Kunden optimal steuern.

a|m: Der Bereich IT-Systemhaus & Managed Services wies im ersten Halbjahr 2012 nur eine Marge von 2,7% aus. Sie führen den Personalaufbau als Grund für die schwache Marge an. Andere Unternehmen bereiten sich auf eine Krise vor. Wo nehmen Sie Ihren Optimismus her? Für welche Leistungen erwarten Sie eine anziehende Nachfrage?

Dr. Olemotz : Wir haben im Schnitt gegenüber dem Vorjahr rund 700 neue Mitarbeiter mehr an Bord, teils bedingt durch Akquisitionen, teils durch Neueinstellungen. Das entspricht einem Mitarbeiterwachstum von etwa 14 Prozent. Und natürlich hinterlässt dieser Zuwachs auch seine Spuren in unserer GuV. Neue Gesellschaften müssen integriert, zusätzliche Mitarbeiter eingeführt und ausgebildet werden. Es dauert seine Zeit, bis sich die ersten positiven Auswirkungen aus diesen Maßnahmen zeigen. Die Kosten wirken jedoch unmittelbar. Dennoch sind wir zuversichtlich für die Zukunft. Wir spüren die wachsende Nachfrage nach neuen innovativen IT-Lösungen. Bechtle gewinnt weiter an Stärke. Gleichzeitig weiten wir unsere europaweite Präsenz aus. Vor dem Hintergrund der sich rasant ändernden Rahmenparameter und der technologischen Trends rund um die IT von morgen, benötigen wir Know how und eine hohe Beratungsqualität. Wir müssen die Anforderungen unserer Kunden verstehen und in neue zukunftsfähige IT-Konzepte übertragen. Dazu ist es notwendig, jetzt in Mitarbeiter und deren Ausbildung zu investieren, um in den nächsten Jahren die aufkommenden IT-Themen, allen voran Cloud Computing, Mobility, Netzwerktechnologien und auch Security mit begleiten zu können und unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Insbesondere in Zeiten schneller technologischer Entwicklungen ist es wichtig, dass wir in der Lage sind, unseren Kunden Orientierung zu bieten.

a|m: Sie überlassen das internationale Servicegeschäft Wettbewerbern wie IBM und Accenture und konzentrieren sich auf Unternehmen der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Je kleiner die Kunden, desto individueller die Anforderungen an Ihre Mitarbeiter. Wie wollen Sie die Gewinnmarge in diesem Bereich verbessern? Welches Margenziel streben Sie in diesem Bereich in den nächsten Jahren an?

Dr. Olemotz : Es ist richtig, dass wir mit unseren Systemhäusern nur in der deutschsprachigen Region Europas ansässig sind, jedoch erbringen wir heute schon Serviceleistungen für unsere Kunden in über 70 Ländern der Welt. Das ist im Übrigen auch kein Widerspruch dazu, dass Bechtle stark im Geschäft mit mittelständischen Unternehmen verwurzelt ist – ganz im Gegenteil. Nimmt man Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen, sprechen wir von einem für Bechtle relevanten Marktvolumen in der IT von etwa 85 Milliarden Euro. Genug Wachstumsmöglichkeiten also, um kontinuierlich unsere ambitionierte Vision zu verfolgen: Unser Ziel ist es, in der Bechtle Gruppe bis 2020 mit dann etwa 10.000 Mitarbeitern 5 Milliarden Euro Umsatz und eine Vorsteuermarge von 5 Prozent zu erwirtschaften. Dies erreichen wir im Segment Systemhaus & Managed Services vor allem durch die fortlaufende Optimierung unseres Produktmix‘, den Ausbau neuer renditestarker Geschäftsfelder und einer Steigerung des derzeitigen Anteils an IT-Lösungen und Managed-Services-Leistungen.

a|m: Der Bereich E-Commerce verfügt bei Bechtle über eine stabilere Gewinnmarge, unterliegt jedoch gleichzeitig stärker Nachfrageschwankungen. Wird das Wachstum im Bereich E-Commerce langfristig mit dem Servicegeschäft Schritt halten können?

Dr. Olemotz : Im Rahmen unserer langfristigen Ziele gehen wir davon aus, dass beiden Geschäftssegmente bis 2020 etwa den gleichen Anteil zum geplanten Konzernumsatz beitragen werden. Das heißt, dass wir im Vergleich zu unserem Systemhausgeschäft im Durchschnitt mit einem deutlich stärkeren Wachstum im E-Commerce rechnen. Zugegeben, diese Ziele sind ambitioniert aber nicht unrealistisch, insbesondere wenn man sich die Entwicklung der vergangenen Jahre anschaut. Das angestrebte Wachstum im Handel mit Hardware- und Softwareprodukten erreichen wir durch die konsequente Fortsetzung unserer Internationalisierungsstrategie. Darüber hinaus verstärken wir sukzessive unsere Präsenz mit den Bechtle-Marken Comsoft im Software-Lizenzgeschäft und ARP im IT-Peripherie- sowie Infrastrukturbereich in den internationalen Märkten, auf denen wir bereits mit der Marke Bechtle direct erfolgreich sind.

a|m: Die Unterschiede ihrer beiden Geschäftsbereiche zeigen sich insbesondere in der regionalen Aufteilung des Geschäfts: Das Servicegeschäft konzentriert sich auf die deutschsprachige DACH-Region während Sie mit E-Commerce ganz Europa abdecken wollen. Synergien werden dadurch immer geringer. Worin liegt dann noch der Vorteil, beide Geschäfte unter einem Dach zu führen?

Dr. Olemotz : Ungeachtet der unterschiedlichen regionalen Fokussierung beider Geschäftssegmente können wir durch deren Kombination im Konzern von einer Vielzahl von Synergien profitieren. Bechtle ist seit der Gründung 1983, also seit nunmehr fast 30 Jahren, in der IT zu Hause – in diesem schnelllebigen Markt eine kleine Ewigkeit! Wir beraten und unterstützen unsere Kunden umfassend und herstellerunabhängig in allen Fragen der IT. Hierbei nutzen wir das segmentübergreifende Know how unserer gut ausgebildeten Mitarbeiter, insbesondere auch im Zentralbereich Logistik & Service, der beide Geschäftssegmente unter anderen bei der Projektsteuerung, im Produktmanagement, bei den Herstellerbeziehungen und natürlich bei der eigentlichen Logistik unterstützt. Dabei haben wir den Anspruch, nicht nur das Geschäft unserer Kunden, sondern auch ihre Strategie und ihre Perspektiven zu verstehen. Nur so ist es uns möglich, mit unseren Kunden gemeinsam zu wachsen und sie als Partner langfristig und vertrauensvoll zu begleiten. In sehr vielen Projekten arbeiten wir bereits seit langem kundenorientiert über unsere Geschäftssegmente hinweg mit der Unterstützung der Zentraleinheiten zusammen und betreiben Best-Practice-Sharing.

a|m: Seit dem Börsengang vor über zehn Jahren schüttet Bechtle jährlich eine gleichbleibende oder steigende Dividende aus, eine beachtliche Kontinuität, die für eine besondere Aktionärsfreundlichkeit im Unternehmen spricht. Gleichzeitig haben Sie hohe Ziele für die nächsten sieben Jahre: Nr. 1 im E-Commerce in Europa, Verdopplung des Servicegeschäfts. Was ist für Sie wichtiger: Dividendenkontinuität oder Zielerreichung?

Dr. Olemotz : Diese Ziele schließen sich nicht aus – ganz im Gegenteil, sie bedingen einander. Erst mit dem Erreichen der selbst gesteckten wirtschaftlichen Zielmarken schaffen wir die Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg und damit auch für die finanzielle Stärke des Unternehmens, um auch zukünftig unseren Aktionären eine attraktive Dividende zahlen zu können. Bechtle ist ein Unternehmen, welches sich schon immer ehrgeizige Ziele gesetzt und an deren Umsetzung alle Mitarbeiter konsequent gearbeitet haben. Wesentlicher Teil unserer auf den langfristigen Erfolg ausgerichteten Unternehmenspolitik ist es, alle Aktionäre an dem erzielten Erfolg angemessen teilhaben zu lassen. Daher orientiert sich unsere Dividendenpolitik an einfach nachzuvollziehenden Grundsätzen. So streben wir beispielsweise an, jährlich rund 30 Prozent des Konzernnettoergebnisses an unsere Anteilseigner auszuschütten.

a|m: Bitte geben Sie uns abschließend noch einen Einblick in Ihre aktuelle Geschäftsentwicklung: Sehen Sie im Mittelstand weiterhin eine Zurückhaltung aufgrund der ungewissen Entwicklung in Europa oder können Sie bereits eine Aufweichung der Zurückhaltung erkennen, vielleicht sogar eine langsam beginnende Aufholung der zuvor zurückgehaltenen IT-Projekte?  

Dr. Olemotz : Unsere aktuellen Zahlen für die zurückliegenden Monate lassen auf eine leichte Erholung zum Jahresende schließen und auch einige der wirtschaftlichen Stimmungsindikatoren unserer Branche geben Anlass zu mehr Optimismus, was die weitere Entwicklung im Jahresverlauf angeht. Jedoch ist die allgemeine Verunsicherung aufgrund der Eurokrise im Markt bei unseren Kunden nach wie vor spürbar und es wird sicherlich auch noch einige Monate dauern, bis wir – was den Umfang und Zyklus der Investitionen betrifft – wieder zur gewohnten Normalität zurückkehren. Eine nachhaltige Lösung der europäischen Finanzkrise ist daher für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung absolut entscheidend. Trotzdem bin ich zuversichtlich: Immerhin wird Bechtle in diesem Jahr ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich vorweisen können. Damit schneiden wir voraussichtlich rund um Faktor drei besser ab als der gesamte IT-Markt und gewinnen weiter Marktanteile.

a|m: Herr Dr. Olemotz, haben Sie vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. Wir wünschen Ihnen für die Umsetzung Ihrer Unternehmensziele viel Erfolg.

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