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Deutsche Telekom AG
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Deutsche Telekom AG

T-Mobile Verkauf an AT&T nur vorläufig geplatzt

01.09.2011 | 12:15

In der Regel benötigt die Behörde 12-18 Monate, um einen so komplexen Übernahmefall wie diesen zu prüfen. Und in der Regel werden die Betroffenen im Vorfeld informiert oder merken zumindest anhand der kritischen Nachfragen, dass die Sache auf der Kippe steht.

Die Übernahme wurde vor fünf Monaten bekannt gegeben, damit ist die gestrige Entscheidung ziemlich früh gefallen. Gestern Vormittag war AT&T CEO Randall Stephenson noch im Fernsehen zu sehen mit der Aussage, die Übernahme werden schnell vonstatten gehen. Kein CEO lehnt sich so weit aus dem Fenster, wenn er es mit kritischen Verhandlungspartnern bei den Kartellbehörden zu tun hat. So gehe ich davon aus, dass die Veröffentlichung tatsächlich überraschend früh und im Inhalt nicht erwartet wurde.

Zum Inhalt: Von den 100 wichtigsten Mobilfunkbereichen stünden AT&T und T-Mobile in 97 im direkten Wettbewerb zueinander. Der Kaufpreis von 39 Mio. USD ist eine Summe, die es AT&T ermögliche, auch ohne die Übernahme entsprechende Netzausweitungen und –optimierungen durchzuführen, um wettbewerbskonform die Leistungen für die Kunden zu verbessern. Daher sehe man die Übernahme der Nr. 4 (T-Mobile) des US-Mobilfunkmarktes durch die Nr. 2 (AT&T) als wettbewerbsschädlich an.

Die aktuelle Nr. 1 (Sprint PCS) und Nr. 3 (Verizon) haben die Übernahme vom ersten Tag an als wettbewerbsschädlich kritisiert. Die Aktien von AT&T und der Deutschen Telekom (Mutter von T-Mobile) brachen gestern um 6-8% ein. Die Aktien von Sprint PCS und Verizon zogen entgegen dem schwachen Börsentrend an. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Sollte es beim „Nein“ des Justizministeriums bleiben und sollte sich die FTC (Kartellbehörde) diesem Nein anschließen, so kann AT&T T-Mobile nicht kaufen. In diesem Fall wird eine Strafzahlung in Höhe von 3 Mrd. USD in bar an die Deutsche Telekom fällig sowie die Übergabe von Frequenzspektren im geschätzten Wert von weiteren 3 Mrd. USD.

Zwei Dinge sollten Sie jedoch wissen, um den weiteren Verlauf dieses Übernahmevorhabens besser abzuschätzen: Die Kartellabteilung des Justizministeriums wird derzeit nur kommissarisch von Sharis Pozen geleitet, Chstine Varney war vor wenigen Wochen überraschend von ihrem Amt als Chefin dieser Abteilung zurück getreten. Es ist nun an Präsident Obama, den Chefsessel neu zu besetzen. Mit anderen Worten: Das „Nein“ erfolgt zu einem Zeitpunkt, wo die Behörde ohne Chef ist. Und bei einem 39 Mrd. USD Übernahme sprechen normalerweise die Chefs miteinander, bevor Entscheidungen getroffen und veröffentlicht werden.

Aus technokratischer Sicht ist die Sache eindeutig: Wenn sich eine Nummer zwei mit der Nummer vier eines Marktes vereint, dann geht Wettbewerb verloren. Die drei verbleibenden Mobilfunkunternehmen vereinen über 80% des US-Marktes auf sich. Das kommt monopolistischen Strukturen schon sehr nach und so ist das „Nein“ nachvollziehbar.

Doch AT&T hat bereits verkündet, im Rahmen der Übernahme Unternehmensteile im Wert von rund 8 Mrd. USD zu verkaufen. Damit bietet AT&T den Kartellbehörden an, einzelne Bereiche, die besonders von monopolistischen Strukturen betroffen wären, abzustoßen, um die Übernahme aus kartellrechtlicher Sicht zu ermöglichen. Im Laufe der Prüfung würde dann normalerweise die Kartellbehörde weitere Forderungen aufstellen, so dass diese Summe ggfls. noch ansteigt. Und unter öffentlichem Zähneknirschen würde AT&T dann diesen Forderungen nachgeben, um die Übernahme zu ermöglichen.

Das ist so üblich. Man nennt das Verhandlung. Und wenn die Kartellbehörde geschickt verhandelt, dann sind die wichtigsten Wettbewerbsstrukturen am Ende der Verhandlungen vielleicht sogar gesichert während AT&T Kostensynergien nutzen und gleichzeitig vielleicht sogar mehr Arbeitsplätze anbieten kann. So der Idealfall.

Da die Kartellabteilung des Justizministeriums derzeit ohne Kopf ist dürften Verhandlungen nur schwer vorwärts kommen. Und so ist es der Warnschuss der Behörde, wenn frühzeitig die grundsätzlich ablehnende Haltung öffentlich gemacht wird. AT&T ist nun unter Zugzwang, weitere Unternehmensbereiche zum Verkauf zu stellen. Und dies möglichst noch bevor die FTC, die eigentliche Kartellbehörde der USA, ihr Urteil fällt.

Präsident Obama wird einen neuen Chef für die Kartellabteilung des Justizministeriums ernennen müssen. Vor dem Hintergrund der 39 Mrd. USD-Übernahme wird er jeden Kandidaten vor der Nominierung nach seiner Ausrichtung fragen. Und gewinnen wird meiner Einschätzung nach derjenige, der AT&T am meisten Jobgarantien oder vielleicht sogar die Schaffung neuer Jobs aus den Rippen quetschen kann und gleichzeitig die Strafzahlung von 3 Mrd. USD nach Deutschland verhindert.

Der Patriotismus in den USA ist groß. Und wenn Obama und Stephenson die Alternativen durchspielen, dann ist das „Nein“ die volkswirtschaftlich kurzfristig unsinnigste Entscheidung: Vier Marktteilnehmer heizen den Wettbewerb an, Kosteneinsparungen bei allen vier Teilnehmern werden durch Abbau von Personal realisiert. Und zusätzlich muss AT&T noch 3 Mrd. USD an die Deutsche Telekom überweisen, die damit im Zweifel Jobs in Deutschland schafft – und nicht in den USA. Dem wird Obama kaum zustimmen – entgegen aller ökonomischer Vernunft.

Vor diesem Hintergrund ist der Verkauf von T-Mobile nicht gescheitert sondern bestenfalls verzögert. AT&T hat schon vermeldet, gegen diese Entscheidung vorzugehen. Die Aktien der Deutschen Telekom sind um 8% eingebrochen, nachdem sie im Rahmen des August-Crashs bereits um 10% zurück gekommen waren, und notieren nun auf dem niedrigsten Niveau seit 2009. Die Dividendenrendite beträgt 7,27%, der Cashflow sichert diese Zahlung ab. Für Anleger ist dieser Rückschlag in meinen Augen eine gute Kaufgelegenheit.

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Take Share, Stephan Heibel

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