Cartoons auf a|m

18.01.2010 | 15:55
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L&S Realtime
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Solar Millennium AG ISIN: DE0007218406 WKN: 721840 |
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An der Börse wird eines geliebt: Kontinuität. Und eines wird gehasst: Sprunghaftigkeit. Wenn ein Unternehmen beispielsweise alle zwei Jahre 200 Mio. Euro Umsatz macht, dann leben Anleger für zwei Jahre in der Ungewissheit, ob die Endzahlung auch wirklich erfolgen wird.
Würden die 200 Mio. Euro hingegen quartalsweise regelmäßig fließen, also jedes Quartal in unserem Beispiel 25 Mio. Euro, dann wären die Anleger wesentlich beruhigter: Immer wieder könnten sie sehen, dass Geld fließt, dass die Projekte voran gehen und die Zahlungen planmäßig erfolgen. Unternehmen mit gleichmäßigen Zahlungsströmen werden an der Börse höher bewertet als Unternehmen mit sporadisch hohen Umsätzen.
So hat Solar Millennium der Wirtschaftswoche zufolge Tochtergesellschaften geschaffen, die regelmäßig entsprechende Zahlungen an ihre Mutter leisteten. Regelmäßig wurde dann von Solar Millennium dieser Umsatz gemeldet und die Anleger lehnten sich beruhigt zurück. Zum Projektende, wenn der ganz große Betrag dann vom externen Kunden überwiesen wurde, vermeldete Solar Millennium dann wiederum diesen Umsatz als konzerneigenen Umsatz, auch wenn ein Großteil davon an die Tochtergesellschaften ging, die zuvor in Vorleistung getreten waren. Dieser Umstand wurde bei dieser Meldung dann nicht mehr explizit erwähnt.
Solar Millennium wehrt sich natürlich gegen diesen Vorwand, denn in der Jahresbilanz wurden diese doppelten bzw. konzerninternen Umsätze sicherlich herausgerechnet. Dennoch besteht der Vorwurf, dass die vorgetäuschte Kontinuität der Umsätze, die nur über eigene Tochtergesellschaften erreicht werden konnte, das Bewertungsniveau des Unternehmens erhöht hat. Dank dieses erhöhten Unternehmenswertes sowie dank der Kontinuität der Einnahmen hat Solar Millennium sodann Zugang zu günstigeren Refinanzierungskonditionen: Unternehmensanleihen müssen niedriger verzinst werden als die von anderen Unternehmen mit vergleichbar sporadischen Umsätzen. Das ist ein Wettbewerbsvorteil, der nicht meinem Gerechtigkeitsempfinden entspricht.
Wenn Sie also die Meldung der kreativen Bilanzierungspraktiken von Solar Millennium lesen, dann werden damit nicht Umsätze vorgetäuscht, die nicht stattgefunden haben. Es werden auch nicht Konzernkonsolidierungen vermieden. Unterm Strich ist alles sauber bei Solar Millennium. Doch durch diesen kleinen Trick mit den Tochtergesellschaften wird der Öffentlichkeit und damit auch den Käufern von Unternehmensanleihen ein positiveres Bild vorgetäuscht als es der Realität entspricht: Die Kontinuität ist so nicht vorhanden.
In meiner Solarstudie vom vergangenen Herbst, die Sie hier für 20 Euro beziehen können (Kunden meines Börsenbriefes erhalten sie kostenfrei), habe ich schon auf die dünne Kapitaldecke des Unternehmens hingewiesen. Technologisch nimmt das Unternehmen eine führende Position ein und auch das Unternehmenswachstum sowie die technologische Wettbewerbsfähigkeit sind gut. Doch für neue Projekte braucht das Unternehmen finanzkräftige Partner. Und diese Partner werden sich den Löwenanteil der mit den Parabolrinnen-Kraftwerken erzielten Gewinne in die eigene Tasche stecken. Für Solar Millennium bleibt nach der Zinslast wenig übrig. Die Aktie ist daher meiner Einschätzung nach kein Kauf – auch nicht nach dem heutigen Kurssturz von 14%.
Mehr Analysen und aktuelle Einschätzungen lesen Sie in meinem Börsenbrief Heibel-Ticker, für den Sie sich hier gratis und unverbindlich anmelden können.
Ich freue mich auf Sie,
Take Share,
Stephan Heibel Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes
(Bildquelle: Solar Millennium AG)
Autor:
Heibel-Ticker
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